Angreifbare Tradition! Offener Brief an den Staatsanwalt Weilheim

xy 11.09.2002 20:38 Themen: Antifa
Pfingsten diesen Jahres besuchte eine Gruppe AntifaschistInnen das traditionelle Treffen der Gebirgsjaeger - im zweiten Weltkrieg Urheber zahlreicher Kriegsverbrechen - und forderte zu einer Gedenkminute fuer die Opfer ihrer Massaker auf. Sie berichteten auf indymedia:
 http://www.de.indymedia.org/2002/05/22370.shtml
Offensichtlich in diesem Zusammenhang erhielten nun ca. 50 Menschen Vorladungen zu einer Vernehmung als Beschuldigte des schweren Hausfriedensbruchs und der Beleidigung
Offener Brief an die Staatsanwaltschaft Weilheim/Bayern
Als Betroffene von Ermittlungsverfahren wegen angeblicher Beleidigung und schwerem Hausfriedensbruchs in Mittenwald wenden wir uns an die zuständige Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit. Wir bitten auch um auch Weiterleitung an die für NS-Verbrechen zuständigen Sonderstaatsanwaltschaften in Ludwigsburg und München.
1.Der Vorwurf des schweren Hausfriedensbruchs weisen wir zurück. Die Jugendherberge am Walchensee war von uns mit Frühstück gebucht und wurde später bezahlt.

2.An eine Beleidigung können wir uns nicht erinnern. Das Verhältnis zu dem Jugendherbergsvater und zum Zivildienstleistenden war trotz der polizeilichen Belagerung ungetrübt.

3.Betroffen von den Vorladungen und Ermittlungsverfahren sind unserer Kenntnis nach alle Gäste der Jugendherberge, die die Polizei Freitag Nacht in der Jugendherberge antraf. Den Medien entnahmen wir aber die Zahl von 18 jungen Männern, die gegen die Traditionspflege der Gebirgsjäger in Mittenwald demonstriert haben.

4.Wir sind eine ca. 50 köpfige Reisegruppe im Alter von 18-49 Jahre, die auf Studienreise in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen unterwegs war. Die große Mehrheit der TeilnehmerInnen waren übrigens Frauen. Dies bitten wir zu beachten.

5.Wir wenden uns entschieden gegen die pauschale Verdächtigung unserer Reisegruppe und regen eine rechtsstaatliche Beweisführung ihrerseits an. Auch macht es vielleicht sind im Sinne der umfassenden Ermittlungstätigkeit auch die Straftaten der Gebirgsjäger und ihrer Freunde zu untersuchen.

6.Zu fragen wäre beispielsweise nach dem Herrn in Bundeswehruniform, dessen Foto bereits im Internet publiziert wurde, der mit der Faust auf Protestierende einschlug. Oder warum darf ein Hans Ostler, Ortskameradschaftsführer aus Mittenwald straffrei Demonstranten bedrohen, beleidigen und schlagen. Oder haben Sie schon ermittelt, wie viele Teilnehmer der öffentlichen Veranstaltung im Postkeller Orden mit Hakenkreuzen trugen, ohne das die Veranstalter eingegriffen hätten. Hier könnten neue Ermittlungsansätze Richtung schwerer Körperverletzung, Beleidigung und Tragen von faschistischen Symbolen sehr vielversprechend sein.

7.Es ist natürlich nie auszuschließen, das sich TeilnehmerInnen von Gruppenreisen sich eigenständig bewegen und auch ihre eigenen politischen Aktionen starten. Dies zu verurteilen steht uns als Reisegruppe nicht zu, es sei denn die politische Aktion wäre politisch ungezielt und schlecht begründet. Dieser Frage möchten wir im folgenden nachgehen.

8.Die Kriegsverbrechen von Einheiten der Gebirgsjäger sind in Deutschland von der deutschen Justiz nicht geahndet worden. Stattdessen konnten sich im Kameradenkreis die noch nicht verurteilten Täter mit ihren von den Alliierten abgeurteilten Generälen über 50 Jahre ungestört ihrer Traditionspflege hingeben. Die Verbrechen der Gebirgstruppe werden regelmäßig in ihrer Verbandszeitung „Gebirgstruppe“ verharmlost und teilweise offensiv geleugnet. Auf ihren jährlichen Veranstaltungen am hohen Brendten treten seit Jahren österreichische Veteranen.

In diesem Sinne wünschen wir viel Erfolg bei der Ermittlungstätigkeit

 angreifbare-traditionspflege@web.de

II.Gebirgsjägerregiment 98
1.10.43 Neochoratti, Megarchi und Tunta zerstört, 20 Zivilisten erschossen. Major Eisl mit 2 Kompanien II./98 und 1 Gesch. Zug der II/79 ((Major Schmitt)1.GD

3. Oktober 1943 Mord in Thereakision: „Sühnemaßnahme für Mord an Oberstleutnant Salminger Vassilis Karamanis
3.10.43 Akmotopos „Im Rahmen der Säuberungsaktionen zahlreiche Ortschaften niedergebrannt und das Vieh getötet.(...)Gruppe Eisl zerstört Akmotopos als Sühnemaßnahme völlig.

4.10.43 Muliana, Makates, Anoion Tereion, Jimnopolos,Akmotopos, Klisura, Lagatora werden zerstört.130 Banditen und Zivilisten werden getötet. Gruppe Eisl 1 GD

6.10.43 „Unternehmen Tiger“: 40 Ortschaften abgebrannt, 40 Feindtote werden gezählt. 1GD.

Kommandeur:

Komposch, Kurt, Ramsau


7. Kompanie

Simon, Fritz, Tanne/Harz
Lindner, Joachim, Burgstädt

9. Kompanie

Höllwart, Ludwig ; Murnauer, Nik, Zenz, Anton, München ; Keller, Gebhard ; Zeller, Hans; Wackersberger Toni, Tegernsee ; Killer, Willi ; Hechtberger, Karl-Heinz, Großenhain; Krißmayr, Sepp, Kempten ; Huber, Hans ; Prestel, Gebhard; Ruoff, Willi ; Eckhart Hannes; Kahle, Gustl ; Steingruber; Brigl, Georg; Wiedmann, Richard; Schreiber, Ferdl ; Hitzelberger Toni ; Hitzelberger, Karl; Hohenadl, Oberstdorf ; Kammerer, Xaver; Zrenner, Josef ; Hackl, Martin ; Schranner, Hans; Kühn, Karl ; Schneider , Alfons; Maier, Martin ; Hechtberger, Heinz; Aigner, Sebastian ; Daburger, Josef, Winterlingen ; Albert, Günther, Ostrach; Kluger, Josef ; Fischer, Georg

12. Kompanie Gebirgsjägerregiment 98

In Kommeno in Nordgriechenland fuhr die gesamte 12. Kompanie am 16.8.1943 zum Morden "feldmarschmäßig" mit Maultieren und dem Küchenwagen vor und erschossen 317 Frauen, Männer und Kinder. Die Soldaten der 12. Kompanie des Gebirgsjäger-Regiments 98 unter dem späteren Bundeswehrgeneral Klebe, die sich auch nach dem Krieg weiter ungestört im Kameradschaftskreis der Gebirgstruppe treffen, ermordeten nicht nur die unschuldigen Zivilisten, einzelne Soldaten machten sie noch über die Frauenleichen her und schändeten sie, wie einer der Täter später berichtete. Nach "getaner Arbeit" wurde dann das Dorf zum privaten Raubzug freigegeben:
Soldaten waren aber so erschöpft, dass sie von den herumliegenden Sachen kaum
etwas mitgenommen haben. Lediglich die Offiziere haben erbeutete Teppiche und
andere Wertgegenstände auf LKWs verladen und weggebracht." berichtete Franz
T. bei seiner polizeilichen Vernehmung 1970. Das Verfahren wurde 1970 eingestellt.

In Kephalonia waren die 12. Kompanie an den Erschießungen von ca. 4000 italienischen Soldaten beteiligt.

Christlieb, Bamberg ; Stenzel, Hindelang ; Seibt, Dr Nevada ; Hagel, Paul; Schrempp; Germeroth; Reinhardt; Pflanzelt, Leo, Lechbruck; Klass, Frank
Niederegger, Sepp
Zlanabitnig, Alfred; Sailer, Georg, Bad Heilbronn, Mittenwald ; Lotz, Robert, Cureggia Schweiz ; Funke, Werner, Bielefeld; Delacher, Hermann, Straßwalchem ;Ebner, Andreas, Elbethen; Ecker, Johann Graz
Goldmann, Otto, Wien ;Ziegler, Anton, Horn Schäbisch Gmünd;Schott Willi, Rassatt ;Kitzer, Siegfried ;Hofer, Alfred, Dornbir; Neumann, Adolf, Salzburg ;Riedler, Johann, Wiener Herberg;Seitner, August Bad Ischl;Tomaschitz, Franz Gruisla Gemeinde Klöch ;Wiblishauser, Wilhelm Egelsee, Steinheim Memmingen

13. Kompanie Gebirgsjägerregiment 98
Wegen Zerstörung von Periwoli und der Tötung von 53 Menschen am 25.10.43 werden gesucht die Angehörigen der 13. Kompanie unter der Befehlsgewalt von Alfred Artmann.

Zellner, Hans, Kammersberg ;Drexler, Hans, Brandenberg;Königstein, Emil ;Artmann, Alfred ;Schall, Franz, Gauting ;Geißler, Bruno ;Neumann, Dr. Hans Jochen


NS-Orden stören den soldatischen Schulterschluss in Mittenwald nicht

Pfingsttreffen eint Wehrmachts-Veteranen und Bundeswehr-Mitglieder / Polizei setzt angereiste Demonstranten fest

Von Joachim F. Tornau (Mittenwald)
Frankfurter Rundschau

Es ist die größte soldatische Feier in Deutschland. Jedes Jahr zu Pfingsten gedenken tausende Wehrmachts-Veteranen und Bundeswehr-Soldaten im bayerischen Mittenwald gemeinsam der gefallenen Gebirgsjäger beider Weltkriege.

Berührungsängste, so schien es am Sonntag, gibt es dabei nicht: Kurz nach einer Abordnung der Bundeswehr, die den Kranz des Verteidigungsministeriums niederlegte, traten die Vertreter einer österreichischen Krieger-Kameradschaft vor das Ehrenmal. Auf der Brust trugen sie Orden mit dem Hakenkreuz. Von den Anwesenden nahm daran niemand Anstoß.

Mögliche Proteste hatte die Polizei unterbunden. Am Vorabend war eine Gruppe von Demonstranten unerwartet beim Kameradschaftsabend der Soldaten aufgetaucht, um auf die Verbrechen der Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg aufmerksam zu machen. Ihr Versuch, an die Opfer zu erinnern, ging allerdings im Tumult unter: Mit Fäusten, Stühlen und Krückstöcken vertrieben die alten und jungen Kameraden ihre Kritiker. "Drecksmüll" seien diese Leute, schimpfte ein aktiver Hauptfeldwebel der Bundeswehr und ärgerte sich, nicht handgreiflicher geworden zu sein: "Wenn ich keine Uniform anhätte, gäbe es die schon nicht mehr."

Ein Großaufgebot Polizei setzte die Demonstranten in einer Jugendherberge fest. Auch eine Kundgebung im Zentrum von Mittenwald - weit entfernt vom Ehrenmal auf dem Hohen Brendten - wurde nicht erlaubt. Am Sonntag sollte alles wieder so reibungslos verlaufen wie gewohnt.

Die Beteiligung der Gebirgsjäger am Vernichtungskrieg der nationalsozialistischen Wehrmacht haben Militärhistoriker schon vor Jahren nachgewiesen. So ermordeten Truppen der 1. Gebirgs-Division am 13. September 1943 auf der griechischen Insel Kephalonia mindestens 4000 italienische Kriegsgefangene - aus Rache dafür, dass die vormaligen Verbündeten die Seiten gewechselt hatten. Den Beteiligten gilt das bis heute als Aktion, bei der "einiges gründlich danebenging". Diese Worte jedenfalls wählte unlängst ein Veteran von Kephalonia in der Zeitschrift des "Kameradenkreises der Gebirgstruppe".

Der Traditionsverband, in dem Ex-Angehörige der Wehrmacht genauso Mitglied sind wie Soldaten der Bundeswehr, ist für die Organisation der alljährlichen Pfingsttreffen in Mittenwald verantwortlich. Den Schulterschluss erklärt Vorstandsmitglied Harald Rettelbach, früher Direktor des Nato-Pressezentrums in Brüssel, mit einer rhetorischen Frage: "Soll ich etwa die verdammen, die mir das Handwerkszeug beigebracht haben?" Bei den Massenerschießungen habe es sich zwar unzweifelhaft um ein Verbrechen gehandelt. Aus seinem Verband möchte er deshalb aber niemanden ausschließen: "Sie sind ja gerichtlich nicht verurteilt worden."

Von den 8000 Mitgliedern des Kameradenkreises haben in diesem Jahr rund 2000 den Weg auf den Berg bei Mittenwald geschafft. Ihr prominentester Mitstreiter ließ sich entschuldigen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber war auf dem Tag der Sudetendeutschen unabkömmlich. Mit dem fragwürdigen Brückenschlag zwischen Alt und Jung scheint aber auch er kein Problem zu haben: Als vor einem Jahr die Gebirgsdivision der Bundeswehr als eigenständige Einheit aufgelöst wurde, hatte er sich eine persönliche Ansprache nicht nehmen lassen. Bei der alpinen Elite-Truppe zu dienen, sei für jeden Soldaten etwas ganz Besonderes, sagte er - nicht zuletzt wegen ihrer "unangreifbaren Traditionspflege, die in der insgesamt traditionsarmen Bundeswehr ihresgleichen sucht.
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Ergänzungen

Gute Aktionen, Gut geschrieben!!!

Antifaschist 12.09.2002 - 00:25
Ich wünsche Euch aus Karlsruhe viel Erfolg bei eurer Aktion

Solidarität und Kraft!!

Genau!

uhu 12.09.2002 - 10:04
Klasse Aktion! Unbedingt weiter berichten was rauskommt!

Gut daß ihr das macht

K. Duden, Pisa 12.09.2002 - 12:30
Nur sind einige Sätze euch leider aus dem grammatischen Ruder gelaufen (Ja ja, die Textverarbeitung). Eigentlich egal, aber bei einem offenen Brief doch ein wenig peinlich.

hut ab

axa 12.09.2002 - 21:37
.... viel kraft für diese auseinandersetzung und solidarische grüsse ....

*gähn*

unbekannt 12.11.2002 - 01:24
Meine Güte, habt ihr nix besseres zu tun, als alte Leute zu belästigen???
Kriegsverbrechen gabs damals auf allen Seiten, ob bei den Bolschewiken, den Amis und auch bei uns, den Krauts.

Was mich immer wundert, ist, das wenn es um ausländische kriegstoten geht, immer ganz fix die Trauermiene aufgesetzt wird, ruckzuck die Kerze brennt und Solidarität verkündet wird.
Ich habs noch nie erlebt, das man den Hunderttausenden Zivilisten gedenkt, die bei den allierten Bombenangriffen ums Leben kammen.

Irgendwie wird da mit zweierlei Maßen gemessen.

Mit "solidarischem" Gruß