The New Great Game

J. 19.09.2001 19:42 Themen: Weltweit
Die eventuell bevorstehende Militäroperation der USA in Afghanistan ist auch vor dem Hintergrund des Spiels der Weltmächte um Zentralasien zu sehen
"Afghanistan und die anderen Staaten Zentralasiens sind Figuren auf einem Schachbrett, auf dem um die Weltherrschaft gespielt wird."
Lord Curzon, britischer Statthalter in Indien von 1898 bis 1905

Im 19. und bis in das 20. Jahrhundert hinein kämpften und spielten das britische Empire und Russland um Mittel- und Ostasien. Es ging um die Reichtümer Indiens, um den Zugang Russlands zum Meer, um die Kontrolle über Asien. Dieses Spiel nannte man "The Great Game".

Seit jeher war Mittelasien ein strategisch wichtiges Gebiet, hier verlief die Seidenstraße, die in der Antike und im Mittelalter West mit Ost verband.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchte die Sowjetunion Kontrolle über dieses Gebiet zu bekommen, was zunächst in Turkmesistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien gelang, später die USA aber zu verhindern versuchte. Pakistan und Afghanistan wurden zu Verbündeten der Vereinigten Staaten und bereiteten der Sowjetunion mit amerikanischen Waffen eine Niederlage in Afghanistan.

Nach dem kalten Krieg wurde Zentralasien zunächst uninteressant für die großen Mächte, die USA wandten sich von ihren Verbündeten dort ab.
Inzwischen aber vermutet man in der Region zwischen persischem Golf, kaspischem Meer und Zentralasien bis zu 75% der Welterdöl- und 33% der Welterdgasreserven. (David Tucker, Parameters) Auch an Uran, Kohle und Eisen gibt es dort reiche Lagerstätten.

Seit einigen Jahren wird von einem New Great Game gesprochen, um ein Gebiet vom Kaukasus bis zum persischem Golf und bis an die Grenzen Chinas. Neben Russland und den USA gibt es einen weiteren mächtigen Mitspieler, China. China wird in den nächsten Jahrzehnten einen massiv steigenden Energiebedarf haben, den es durch Öl und Gas aus Zentralasien decken will. Bald wird auch Indien mitreden wollen, heute schon üben kleinere Mächte wie der Iran, die Türkei und Pakistan Einfluss aus.
Es geht um nicht weniger als
"um die Zukunft der industriellen Demokratien - aber auch Russlands, Chinas und der Türkei"
Die Welt

1998 schrieb David Tucker, damaliger stellvertretender Direktor im Büro des Staatssekretärs im US-Verteidigungsministerium, in "Parameters", Zeitschrift des US-War-College, es gebe für die USA eigentlich nur eine einzige Region, um die es sich zu kämpfen lohne: das Gebiet vom Persischen Golf nördlich bis zum Kaspischen Meer und östlich bis nach Zentralasien.

Dieser Hintergrund ist unbedingt zu beachten, sollten die USA in dieser Region militärisch aktiv werden.


Quellen/Informationen:
 http://www.welt.de/daten/2000/07/19/0719au180527.htx
 http://www.ifdt.de/111299/Artikel/Dean_2.htm
 http://www.fes.de/ipg/ipg4_98/artfreitag.html
 http://www.dgap.org/texte/china_energie.html
 http://www.jungewelt.de/2000/07-19/008.shtml
 http://carlisle-www.army.mil/usawc/Parameters/98summer/tucker.htm
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Ergänzungen

War ja irgendwie klar...

zaramea 19.09.2001 - 20:21
....dass es nur um Rohstoffe geht. Denn gegen wen oder was sollte den die US-amerikaische Armee da unten kämpfen? Gegen die Afghanen? Die haben doch gar keine Armee, oder? Ausserdem bin ich der Meinung, dass man Terroristen niemals mit militärischen Aktionen "ausrotten" kann. Gewalt produziert doch schon seit Menschengedenken Gegengewalt. Da kann man sich doch ausrechnen, was die Zukunft bringt. Jedenfalls nicht weniger Terroranschläge. Und das alles nur, damit die USA die Kontrolle über das Öl behält? Da fragt man sich doch, wer regiert eigentlich die Welt: Wirtschaft oder Politik? Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein bisschen ratlos bin. Es wird unheimlich viel, vor allem in den Medien, über den Kampf gegen den Terrorismus gesprochen, der nur mit verstärkten Sicherheitsmassnahmen und Militräeinsätzen verhindert werden kann. Wo sind denn die ganzen Denkansätze, die sich damit beschäftigen, dass der Nahe Osten einfach mal seine Politik selber machen darf? Ich habe bisher nur einen Artikel in diese Richtung gelesen, gestern in der Berliner Zeitung im Feuilleton. Warum nicht im Politik-Teil? Alle reden von Krieg oder Frieden, aber es gibt nur einen Lösungsansatz, der Krieg vorraussetzt. Das kann doch nicht sein, oder?

Guter Beitrag

Illuminati rex 19.09.2001 - 20:29
Guter Beitrag ! Fehlt nur die Rolle der USA VOR dem Einmarsch der UdSSR(Unterstützung radikal islamistischer Extremisten, mit dem Ziel die UdSSR zu destabilisieren).

Die Ziele der Attentäter werden nicht klar

Energiesparer 19.09.2001 - 22:48
Wieso sollten sie denn NYC zerbomben wenn sie soviel Öl unterm Arsch haben? Warum verkaufen sie´s dann nicht einfach?

Hallo Energiesparer wer sagt dir denn

Froggi 20.09.2001 - 00:19
das die Abbruchunternehmer in NY Afghanis waren?

Erdölinteresse

desaparecido 20.09.2001 - 00:55

Erdöl scheint mir hier auch eines der Hauptinteresse zu sein (zusammen mit Kontrolle über einen Drogenmarkt und Kontrolle über wichtige geopolitische Gegenden).


Die industrialiserten Länder, allen voran solche enrgiefressende Wirtschaften wie die USA sind auf niedrige Erdölpreise angewiesen. 1973 gab es bereits einen Erölschock bei dem die OPEC einheitlich den Hahn zugedreht hat um die Preise in die Höhe getrieben zu treiben. Im Laufe der Jahre hat die Einheit der OPEC abgenommen als andere Erdölquellen in Mexiko, Nordsee usw stärker angezapt wurden.

In den letzten Jahren liefern diese Quellen immer weniger Erdöl. Die Vorkommen die unmittelbar von den USA kontrolliert werden sind erschöpft. In den USA konnte mensch für 1 investiertes Erdöl Barrel etwa 50 Barrels gewinnen. Dieses Verhältnis ist 2000 bereits bei 1:5 und wird 2005 bei 1:1 sein. Ein Barrel finanziell und energetisch investieren um einen Barrel zu gewinnen, bedeutet dass es sich nicht mehr lohnt, auch wenn der Erdölbarrel 1000 USD kosten würde. Dies ist eins der Gründe warum die USA zb in Alaska nach Erdöl suchen.

Diese Spannung zeigt sich sehr deutlich in der Region um Kolumbien: Venezuela hat ziemlich viel Erdöl und ist auch ein OPEC Staat. Als Chavez (anti amerikaner – bolivarianischer Diskurs) an die Macht gekommen ist war er auch nicht unschuldig dafuer dass die OPEC ihre Erdölpreise steigen liess, was bei den industrialisierten Staaten sofort die Alarmglocken schrillen lies.

Knapp danach beschliesst die USA die korrupt mörderische Regierung in Kolumbien Militär massiv zu stärken. Die Kontrolle über Kolumbien ist sehr wichtig wegen ihrer geopolitischen strategischen Lage (neuer Interozeanisher Kanal seit dem der von Panama immer veraltet wirkt, natürliche Brücke zwischen Nord und Suüdamerika etc). Die Kontrolle über den Kokainhandel ist auch ein wesentlicher Interesse weil die Geldgewinnspanne enorm ist und das Geld schon immer in die Wirtschaften der industrialiserten Staaten geflossen ist, sogar direkt in den US Staat verwickelt ist wie beispielsweise bei der Reagan Iran- Contra Gate Affäre, wo Kokaingekder benutzt wurden um die Contras gegen Nicaragua zu finanzieren.

Aber eines der wichtigsten Ziele bei der ganzen Sachen ist es eben neue Erdölvorkommen anzuzapfen die nicht in der OPEC organisiert sind, und damit dessen Einheit zu untergraben, damit die Preise senken. Und durch eine Militärintervention in Kolumbien auch die Venezolanische Regierung unter Druck zu setzen. (Chavez könnte von heute auf morgen zu einem neuen saddam hussein aufgebaut werden). Momentan sind mehrere tausend US Soldaten in Kolumbien und zusammen mit der kolumbianischen Regierung und viel US Militär greifen sie die Guerillas an und anderen soziale Bewegungen. Mindestens 2 mio Menschen sind bereits auf der Flucht.

Was sich gerade mit dem Nahen Osten und den arabischen Laendern abspielt ist damit verbunden. Heute kommen 70% des Erdöls aus den arabischen Länden. In 2010 soll es 95 % sein (Prieto Perez, 2000)! Das heisst die Spannung um den Zugang zu diesen Vorkommen wird sich enorm steigen, und was wir gerade erleben ist ein Zeichen davon. Bush hat bereits während den Wahlen praktisch schon alles angekündigt, Terrorismus beschwört, die Notwendigkeit von Abwehrsysteme, Hochrüstung und Abhängigkeit von “aussländischem” Erdöl zu reduzieren.

In Zentral Asien liegt viel Erdöl und in die Region zwischen Pakistan und Afghanistan boomt die Produktion von Heroin und dessen Handel (3/4 des weltweit konsumierten).

Drogen-, Waffen- und Erdölhandel waren schon immer eng miteinander verflochten.
In der Region von Afghanistan über Chechenya bis in den Kosovo wird wahrscheinlich dieser Konflikt um die Kontrolle dieser Märkte ausgetragen.

Es fehlt aber an Infos und expliziten Analysen zu diesem Aspekt. Der Beitrag von Chussodovsky war ein ziemlich guter in der Hinsicht. Wer mehr Infos dazu hat, bitte an  desaparecido@nadir.org

Wenn es zum Krieg kommt

Energiesparer 20.09.2001 - 02:03
Dann STEIGT doch der Ölpreis. Vor allem dann, wenn arabische Staaten in den Krieg involviert werden. Was passiert denn, wenn es in den Emiraten oder in Saudi-Arabien einen Umsturz gibt. Hä?

Merkwürdigkeiten

eva 20.09.2001 - 17:07
Explizit für Energiesparer:
heute Berliner Zeitung gelesen, S. 5 2 Artikel von Andreas Förster, evtl. im Netz zu finden, vom 2. Text (Ermittlungen)lautet der Schluß: " ... Wie konnten die Attentäter in der Lage sein, den elektronischen Kenncode einer der machinen zu ändern, die in das WTC rasten?
Wie kommet es, daß 5 der Entführer in den 90er Jahren in geheimen US-Militärbasen eine Ausbildung erhielten?
Wer war der Anrufer, der kurz nach dem Absturz auf das Pentagon mit einem angriff auf die airforce one drohte und dabei Codewörter verwandte, die nur einem kleinen, mit dem schutz des Präsidenten in Krisenzeiten befaßten Personenkreis bekannt waren?
Es deutet einiges daraufhin, daß die Spuren der Terroranschläge nicht nur in die Kriese islamistischer fundamentalisten im ausland führen, sondern möglicherweise auch zu amerikanischen Staatsbügern."
Was das bedeutet, dürfte klar sein, speziell für Europa und den Art. 5 träfe dann z.B. der Bündnisfall nicht mehr zu und so weiter. Also recherchieren augen und Ohren offenhalten.

Warum Osama ?

Nase 20.09.2001 - 21:28
Warum stand seit Anfang der Berichterstattung bis zu den
wohl kommenden Angriffen Osama bin Laden als Drahtzieher fest? Glaube nicht,dass er über so eine Planung verfügt!?
Ist nicht vielleicht das Ironische dabei,dass die tatsächlichen Verantwortlichen mit anderen jetzt unter dem
World Trade Center vergraben liegen ?
Und warum kommt nicht mal einer der "Dienste" (oder ihrer
perversen Verselbstständigungen) in Betracht?
Das erschiene mir möglich. Ausserdem habe ich vor diesen wild-gewordenen Rationalisten zehn mal mehr Angst, als vor
Osama. Know your enemy !

Hallo Eva

Energiesparer 20.09.2001 - 23:04
Danke für die Hinweise, echt interessante Infos. Ich weiß auch nicht, wer dahintersteckt. Aber auch eine arabische Terror-Organisation hätte sich diese Informationen beschaffen können (Erpressung, Bestechung, das Übliche). Und daß einige der Attentäter in den USA eine Geheimaubildung erhielten beweist auch nicht so viel. Der CIA muß nun mal Araber anwerben, wenn er über die Hintergründe in deren Ländern was erfahren will. Dort fallen Ausländer zu sehr auf. Das ist wohl Routine. Wenn Atta in Hamburg studierte, dann heißt das ja auch nicht, daß die Uni Hamburg den Anschlag plante. Und zum Hauptargument: Wozu sollten die USA sich "Ölreserven unter den Nagel reißen", wo sie doch jetzt schon zu allen Ölreserven bequemen Zugang haben? Saudi-Arabien, Kuweit ein Dutzend anderer Staaten liefern ihnen soviel sie brauchen. Auch Rußland ist immer froh, Käufer für sein Gas zu finden. Außerdem gibt es da noch gewaltige Einsparpotenziale. Es gibt (leider!) keine Energiekrise in den USA, weder langfristig noch kurzfristig. Nicht alles auf der WElt läßt sich mit "Bodenschätzen" (oder der Gier nach Bodenschätzen) erklären...

Hallo Energiesparer

gimp 13.12.2001 - 00:39
Öffne Deine Augen.Glaubst Du etwa die Länder,die die USA
mit Erdöl versorgen,machen das freiwillig und wäre es für die USA/Ölgesellschaften/Bush(Texaner und Milliardärssohn)
nicht einfacher in einem Land,sagen wir Afghanistan,eine
Regierung einzusetzen,die hauptsächlich aus Marionetten
besteht,um an das ersehnte "Schwarze Gold" zu kommen.
Und einfach so interessehalber,woher die Gewissheit,die
USA hätten genug Erdölreserven.Hast Du den Golfkrieg ver-
gessen und wie schnell die Amerikaner da zur Stelle waren,
als die Ölquelle Kuwait zu versiegen drohte.Denk mal
darüber nach.Da ist es doch besser den Feind zu zerstören
bevor er sich von 20 Jahren Krieg erholt.