Lohn der Angst - Ölinteressen
Teil II über die ökonomischen Interessen der USA in Afghanistan. Übersetzung aus Il Manifesto, 18.10.01
Strategische Bedeutung des Gas-, Ölpipelineprojektes von der Kaspischen Senke durch Afghanistan. Das Energieschach ist einer der Kriegsgründe in Afghanistan.
Das Projekt eines afghanischen Energiekorridors, über das wir gestern in Il Manifesto berichtet haben, ist eines der wichtigsten Motive des Afghanistankrieges. Im Folgenden eine chronologische Darstellung der Ereignisse.
Strategische Bedeutung des Gas-, Ölpipelineprojektes von der Kaspischen Senke durch Afghanistan. Das Energieschach ist einer der Kriegsgründe in Afghanistan.
Das Projekt eines afghanischen Energiekorridors, über das wir gestern in Il Manifesto berichtet haben, ist eines der wichtigsten Motive des Afghanistankrieges. Im Folgenden eine chronologische Darstellung der Ereignisse.
Lohn der Angst -2-
Was sich hinter dem afghanischen Korridor verbirgt!
19.10.01 - Il Manifesto/18.10.01 - Manlio Dinucci -
Juli 1997: Gleich nach der Eroberung Kabuls (25. September 1996) unterzeichnen die Taleban ein Memorandum der Übereinkunft mit Pakistan, Turkmenistan und Uzbekistan über den Bau einer Gasleitung durch Afghanistan. Sie sollte das Gas aus der Kaspischen Senke nach Pakistan bringen. Begonnen wird auch an der Planung einer Pipeline Kaspische Senke nach Pakistan, die weitgehend im gleichen Korridor verlaufen sollte.
27.Oktober 1997: Sieben Ölkompanien und die Regierung Turkmenistans gründen das Konsortium Central Asia Gas Pipeline (Centgas), die für den Bau einer Gasleitung von 1464 km von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan steht. Sie ist um weitere 750 km nach Indien erweiterbar. An der Spitze des Konsortiums steht die us-amerikanische Energiegesellschaft Unocal. Die anderen sind die saudischen Ölgesellschaften Delta Oil, die pakistanischen Crescent Group, die russische Gazprom , die südkoreanische Hyunda Engineering Construction Company , die japanische Inpex und Itochu. Die Gasline mit einer Kapazität von 20 Milliarden Kubikmeter im Jahr sollte binnen 2 bis 3 Jahre gebaut werden. Dabei existiert jedoch ein Problem, die argentinische Ölfirma Bridas erklärt am 4. November, nahe vor dem Abschluss eines Vertrags mit den Taleban über den Bau einer Gasline zu stehen.
25. November 1997: Der geschäftsführende Vizepräsident der Unocal, Bob Todor, unterstreicht die strategische Bedeutung des afghanischen Korridors, um Asien zu erreichen, "diesem schnell wachsenden Markt für Gas und Öl aus der Kaspischen Senke." Der chinesische Korridor ist zu lang und kostspielig (außerdem von Washington nicht erwünscht) und der iranische Korridor ist wegen des Ablehnung durch die USA nicht praktikabel.
5. Dezember 1997: Eine hochrangige Delegation der Taleban wird in die Vereinigten Staaten eingeladen. Sie führt Verhandlungen mit der Unocal, die sie in ihrem Hauptquartier in Sugarland, Texas, für mehrere Tage bewirtet. Im gleichen Zeitraum eröffnet die Unocal in Kandahar eine Niederlassung, das schon vor der Eroberung Kabuls der südliche Stützpunkt der Taleban war.
Januar 1998: Die Taleban erklären, dass sie für den Bau der Gasline, das Konsortium, mit der Unocal an der Spitze, vorgesehen haben und unterzeichnen einen Vertrag. Das ganze spielt sich im Juni d.J. ab, nachdem die russische Gazprom ihren 10% Anteil an der Centgas verkauft hatte. Dadurch erlangen Unocal und Delta Oil mit 85% die volle Kontrolle über das Aktienpaket. Zu dieser Zeit jedoch trüben sich die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA. Washington mißtraut dem Taleban Regime, sei es wegen der wachsenden Anti-USA-Stimmung, sei es weil die Taleban nicht für vertrauenswürdig gehalten werden, die Kontrolle über den afghanischen Korridor ausüben zu können. Saudi Arabien, das über Jahre hinweg (im Einverständnis mit Washington), die Taleban wegen ihrer antisowjetischen und antiiranianischen Haltung finanzierte, will jedoch mit der Unterstützung fortfahren. Die Regierung Saudi Arabiens, Pakistans und der Vereinigten Emirate sind die einzigen Länder der Welt, die die Taleban offiziell anerkennen.
20. August 1998: Die USA führen erste Luftangriffe in Afghanistan gegen mutmaßliche terroristische Stützpunkte von Bin Laden.
21. August 1998: Ein Tag nach dem Flugzeugangriff erklärt Unocal, ihre Aktivitäten zur Realisierung der Gasline auszusetzen und erst wieder aufzunehmen, "wenn in Afghanistan die nötige Stabilität zur Finanzierung der Gasline durch die internationalen Geldgeber hergestellt worden ist."
8.Dezember 1998: Die Unocal erklärt auch ihren Rückzug aus dem Konsortium Centgas. Wichtiges Faktum ist, dass seine führende Position die saudische Delta Oil einnimmt. Nun scheint die Realisierung des Projekts blockiert zu sein.
April 1999: Afghanistan, Pakistan und Turkmenistan geben bekannt, dass sie sich geeinigt hätten, das Projekt der Gasline zu reaktivieren. Sie wenden sich an das Konsortium Centgas, nun von der saudischen Delta Oil angeführt, mit der Realisierung des Baus fortzufahren.
Nun sehen die USA ihre Felle davonschwimmen, sowie die Möglichkeit, die Energievorräte für Asien aus der Kaspischen Senke kontrollieren zu können. Sie sehen sich von ihrem wichtigsten Verbündeten in der Region, Saudi Arabien, überrundet, welcher das Projekt der Gasline reaktiviert , die Pipeline baut und diese ohne die USA kontrollieren soll. Darüber besteht Einverständnis mit den Taleban und ihrerseits Einverständnis mit dem saudischen Emigrant Bin Laden. Was Bin Laden sich konkret erhofft, ist die Gelegenheit, eine Allianz von Ländern zu begründen, die den Vereinigten Staaten die Stirn bieten kann, um ihnen die Kontrolle über die Energiequellen, von denen sie in wachsendem Maße abhängig sind, zu entziehen.
Es bewahrheitet sich so in anderen Worten, die Prognose des strategischen Dokuments, welches das Pentagon am 30. September (Il Manifesto 10.10.01) veröffentlichte. Hierin wird die Möglichkeit angedeutet, dass regionale Mächte genügend Kapazitäten entwickeln könnten, um die Stabilität der Region, die für die Interessen der USA von Bedeutung ist, erheblich zu gefährden. Weiterhin wird von der Möglichkeit gesprochen, dass in Asien ein militärischer Rivale sich ankündigt, der über eine ausreichende Grundlage an Ressourcen verfügt. (Quadrennial Defense Review, 30. September 2001).
Die Antwort darauf kann keine andere, als die in diesem Dokument des Pentagon schon angedeutete sein: der Einsatz der "bewaffneten Streikräfte, deren Ziel es ist, die nationalen Interessen der USA zu schützen und zu fördern", um "einen Wechsel des Regimes eines Gegnerstaates zu erreichen oder das ausländische Territorium solange besetzt zu halten, bis die strategischen Ziele der Vereinigten Staaten realisiert wurden."
Unter der Adresse weiter: Bilder zum Friedensmarsch Perugia - Assisi
20.10.01 - Lohn der Angst Teil III
Was sich hinter dem afghanischen Korridor verbirgt!
19.10.01 - Il Manifesto/18.10.01 - Manlio Dinucci -
Juli 1997: Gleich nach der Eroberung Kabuls (25. September 1996) unterzeichnen die Taleban ein Memorandum der Übereinkunft mit Pakistan, Turkmenistan und Uzbekistan über den Bau einer Gasleitung durch Afghanistan. Sie sollte das Gas aus der Kaspischen Senke nach Pakistan bringen. Begonnen wird auch an der Planung einer Pipeline Kaspische Senke nach Pakistan, die weitgehend im gleichen Korridor verlaufen sollte.
27.Oktober 1997: Sieben Ölkompanien und die Regierung Turkmenistans gründen das Konsortium Central Asia Gas Pipeline (Centgas), die für den Bau einer Gasleitung von 1464 km von Turkmenistan über Afghanistan nach Pakistan steht. Sie ist um weitere 750 km nach Indien erweiterbar. An der Spitze des Konsortiums steht die us-amerikanische Energiegesellschaft Unocal. Die anderen sind die saudischen Ölgesellschaften Delta Oil, die pakistanischen Crescent Group, die russische Gazprom , die südkoreanische Hyunda Engineering Construction Company , die japanische Inpex und Itochu. Die Gasline mit einer Kapazität von 20 Milliarden Kubikmeter im Jahr sollte binnen 2 bis 3 Jahre gebaut werden. Dabei existiert jedoch ein Problem, die argentinische Ölfirma Bridas erklärt am 4. November, nahe vor dem Abschluss eines Vertrags mit den Taleban über den Bau einer Gasline zu stehen.
25. November 1997: Der geschäftsführende Vizepräsident der Unocal, Bob Todor, unterstreicht die strategische Bedeutung des afghanischen Korridors, um Asien zu erreichen, "diesem schnell wachsenden Markt für Gas und Öl aus der Kaspischen Senke." Der chinesische Korridor ist zu lang und kostspielig (außerdem von Washington nicht erwünscht) und der iranische Korridor ist wegen des Ablehnung durch die USA nicht praktikabel.
5. Dezember 1997: Eine hochrangige Delegation der Taleban wird in die Vereinigten Staaten eingeladen. Sie führt Verhandlungen mit der Unocal, die sie in ihrem Hauptquartier in Sugarland, Texas, für mehrere Tage bewirtet. Im gleichen Zeitraum eröffnet die Unocal in Kandahar eine Niederlassung, das schon vor der Eroberung Kabuls der südliche Stützpunkt der Taleban war.
Januar 1998: Die Taleban erklären, dass sie für den Bau der Gasline, das Konsortium, mit der Unocal an der Spitze, vorgesehen haben und unterzeichnen einen Vertrag. Das ganze spielt sich im Juni d.J. ab, nachdem die russische Gazprom ihren 10% Anteil an der Centgas verkauft hatte. Dadurch erlangen Unocal und Delta Oil mit 85% die volle Kontrolle über das Aktienpaket. Zu dieser Zeit jedoch trüben sich die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA. Washington mißtraut dem Taleban Regime, sei es wegen der wachsenden Anti-USA-Stimmung, sei es weil die Taleban nicht für vertrauenswürdig gehalten werden, die Kontrolle über den afghanischen Korridor ausüben zu können. Saudi Arabien, das über Jahre hinweg (im Einverständnis mit Washington), die Taleban wegen ihrer antisowjetischen und antiiranianischen Haltung finanzierte, will jedoch mit der Unterstützung fortfahren. Die Regierung Saudi Arabiens, Pakistans und der Vereinigten Emirate sind die einzigen Länder der Welt, die die Taleban offiziell anerkennen.
20. August 1998: Die USA führen erste Luftangriffe in Afghanistan gegen mutmaßliche terroristische Stützpunkte von Bin Laden.
21. August 1998: Ein Tag nach dem Flugzeugangriff erklärt Unocal, ihre Aktivitäten zur Realisierung der Gasline auszusetzen und erst wieder aufzunehmen, "wenn in Afghanistan die nötige Stabilität zur Finanzierung der Gasline durch die internationalen Geldgeber hergestellt worden ist."
8.Dezember 1998: Die Unocal erklärt auch ihren Rückzug aus dem Konsortium Centgas. Wichtiges Faktum ist, dass seine führende Position die saudische Delta Oil einnimmt. Nun scheint die Realisierung des Projekts blockiert zu sein.
April 1999: Afghanistan, Pakistan und Turkmenistan geben bekannt, dass sie sich geeinigt hätten, das Projekt der Gasline zu reaktivieren. Sie wenden sich an das Konsortium Centgas, nun von der saudischen Delta Oil angeführt, mit der Realisierung des Baus fortzufahren.
Nun sehen die USA ihre Felle davonschwimmen, sowie die Möglichkeit, die Energievorräte für Asien aus der Kaspischen Senke kontrollieren zu können. Sie sehen sich von ihrem wichtigsten Verbündeten in der Region, Saudi Arabien, überrundet, welcher das Projekt der Gasline reaktiviert , die Pipeline baut und diese ohne die USA kontrollieren soll. Darüber besteht Einverständnis mit den Taleban und ihrerseits Einverständnis mit dem saudischen Emigrant Bin Laden. Was Bin Laden sich konkret erhofft, ist die Gelegenheit, eine Allianz von Ländern zu begründen, die den Vereinigten Staaten die Stirn bieten kann, um ihnen die Kontrolle über die Energiequellen, von denen sie in wachsendem Maße abhängig sind, zu entziehen.
Es bewahrheitet sich so in anderen Worten, die Prognose des strategischen Dokuments, welches das Pentagon am 30. September (Il Manifesto 10.10.01) veröffentlichte. Hierin wird die Möglichkeit angedeutet, dass regionale Mächte genügend Kapazitäten entwickeln könnten, um die Stabilität der Region, die für die Interessen der USA von Bedeutung ist, erheblich zu gefährden. Weiterhin wird von der Möglichkeit gesprochen, dass in Asien ein militärischer Rivale sich ankündigt, der über eine ausreichende Grundlage an Ressourcen verfügt. (Quadrennial Defense Review, 30. September 2001).
Die Antwort darauf kann keine andere, als die in diesem Dokument des Pentagon schon angedeutete sein: der Einsatz der "bewaffneten Streikräfte, deren Ziel es ist, die nationalen Interessen der USA zu schützen und zu fördern", um "einen Wechsel des Regimes eines Gegnerstaates zu erreichen oder das ausländische Territorium solange besetzt zu halten, bis die strategischen Ziele der Vereinigten Staaten realisiert wurden."
Unter der Adresse weiter: Bilder zum Friedensmarsch Perugia - Assisi
20.10.01 - Lohn der Angst Teil III
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Ergänzungen
wo sind die anderen zwei teile zu finden?