Lohn der Angst 1

Anonym 19.10.2001 19:10 Themen: Globalisierung
Ölmanagers vor dem amerikanischen Kongress 1998:
"Solange es in Kabul keine Regierung gibt, die das Vertrauen der USA und unserer Ölgesellschaft genießt, wird der Bau dieser Pipeline nicht möglich sein!"

Im Folgenden ein Bericht über die Anhörung von John J. Maresca, des Vizepräsidenten für internationale Beziehungen der Unocal vor dem amerikanischen Kongress am 12. Februar 1998. Die Unocal ist eine der wichtigsten weltweit im Energiesektor operierenden Kompanien. Auf ihren Homepageseiten hat sie mittlerweile jegliches weitere Interesse an einem Projekt in Afghanistan dementiert: "Wir haben von dem Projekt 1998 Abstand genommen und haben jetzt weder Projekte noch Pläne für dieses Land. Wir unterstützen deswegen auch nicht die Taleban in irgendeiner Weise."
Der Bericht:

Es ist notwendig , sich der Wichtigkeit der Gas- und Ölreserven bewusst zu werden und ihrer Rolle, die sie in der amerikanischen Politik spielen. Ich möchte mich auf drei Probleme konzentrieren. Das erste betrifft die Notwendigkeit zahlreicher Transitwege für Gas- und Pipelines zu den vorhandenen Energiereserven in Asien. Das zweite besteht in der Notwendigkeit, dass Amerika die regionalen und internationalen Kräfte unterstützt, die eine dauerhafte und ausgeglichene Lösung der regionalen Konflikte, einschließlich Afghanistan, befürworten. Das dritte Problem betrifft die Notwendigkeit von Strukturhilfen zur Ermutigung ökonomischer Reformen und der regionalen Entwicklung zu einem Klima, das Investitionen erlaubt. Diesbezüglich unterstützen wir auf besondere Weise die Annullierung oder Abänderung der Sektion 907 des Freedom Support Act.

Die Kaspische Region besitzt enorme Reserven unangetasteter Kohlenwasserstoffe. Und um hier nur eine Idee der Proportionen anzudeuten: die ermittelten Gasreserven belaufen sich auf über 236tausend Milliarden Kubikfuß. Die Gesamtheit der Ölreserven dieser Region könnten die Anzahl von 60 Milliarden Barrel Öl übertreffen. Einige Schätzungen gehen bis zu 200 Milliarden Barrel. 1995 förderte die Region lediglich 870000 Barrel am Tag. Bis 2010 könnten die westlichen Ölkompanien die Förderung auf ca. 4,5 Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Das entspräche einer Steigerung um 500% in nur 15 Jahren. Sollte dies möglich sein, förderte diese Region 5% des gesamten Öls im Weltmaßstab.

Dennoch ist ein großes Problem zu lösen. Wie können diese enormen Naturreserven auf die Märkte gelangen, die sie benötigen? Zentralasien ist isoliert. Seine Naturressourcen bleiben unzugänglich - sowohl geographisch wie auch politisch. Ein jedes der Länder des Kaukasus und Zentralasiens durchlebt augenblicklich schwierige politische Herausforderungen. Einige Länder stehen im Krieg oder es schwelen latente Konflikte. In anderen wiederum befinden sich die Systeme in einer Transformation und ihr Recht und ihre Gerichte sind dynamisch und ständigen Veränderungen unterzogen. Darüber hinaus gibt es ein schwerwiegendes technisches Hindernis, das uns als Ölindustrie betrifft. Es bezieht sich auf den Transport des Rohöls und die vorhandene Infrastruktur, was die Pipelines anbelangt.

Sie sind unter sowjetischer Ära gebaut worden und mit Moskau als Zentrum. Die Ölleitungen gehen also in Richtung Norden oder Westen nach Russland. Es gibt keine Verbindungen nach Süden oder Osten. Augenblicklich ist es unwahrscheinlich, dass Russland weitere größere Mengen aufnehmen kann. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Russland im den nächsten Jahrzehnten, sich zu einem entsprechend großen Markt entwickelt, der neue Energiereserven aufnehmen kann. Ihm fehlt auch die Fähigkeit der Versorgung anderer Märkte.

Zwei große Infrastrukturprojekte sind augenblicklich die Antwort auf die Notwendigkeit höherer Transportkapazitäten. Das erste unter Federführung des Caspian Pipeline Consortium, sieht den Bau einer Pipeline vom Westen der Nordkaspischen Region zum russischen Hafen Novorossiysk am Schwarzen Meer vor. Das Öl gelangte dann durch den Bosporus zum Mittelmeer und auf die westlichen Märkte. Das andere Projekt wird finanziert von der Azerbaijan International Operating Company, ein Konsortium von elf ausländischen Ölkompanien. Darunter befinden sich vier amerikanische: Unocal, Amoco, Exxon und Pennzoil. Dieses Konsortium hält zwei Transitwege für möglich. Einer in Richtung Norden durch den Nordkaukasus bis Novorosiysc, die andere durch Georgien zu einem Terminal am Schwarzen Meer. Der zweite Weg kann nach Westen und Süden durch die Türkei erweitert werden bis zum Hafen Ceyhan am Mittelmeer.

Aber wenn auch beide Pipelines gebaut würden, wären ihre Kapazitäten nicht ausreichend, um das in Zukunft anfallende Öl zu transportieren. Sie hätten nicht einmal die Kapazität, die richtigen Märkte zu versorgen und es müssten weitere Pipelines für den Export gebaut werden.

In der Unocal ist man der Ansicht, dass ein zentraler Faktor bei der Planung der Pipelines, die zukünftige Position der Energiemärkte berücksichtigen muss, die voraussichtlich diese neuen Fördermengen verbrauchen. West-, Mittel- und Osteuropa, sowie die von der Exsowjetunion abhängigen Länder sind alles Märkte mit einem langsamen Wachstum. Ihre Nachfrage wird nur von 0,5% auf 1,2% jährlich in den Jahren 1995-2010 wachsen.

Asien wiederum ist eine andere Geschichte. Sein Energiebedarf wächst rapide. Vor den letzten Turbolenzen der Ostasiatischen Ökonomie schätzten wir bis 2010 eine Verdoppelung der Ölnachfrage dieser Region. Wenn auch die Erhöhung der Nachfrage -in so kurzer Zeit- nicht mehr unseren Voraussagen entspricht, ist unsere Einschätzung doch auf längere Sicht gültig.

Deshalb muss ich anmerken, dass es in aller Interesse liegt, die adäquaten Lieferungsmöglichkeiten für den wachsenden Energiebedarf in Asien zu schaffen. Wenn der Energiebedarf Asiens nicht ausreichend gedeckt werden kann, wird das Druck auf den Weltmarkt ausüben und die Preise werden überall steigen.

Die Schlüsselfrage ist also, wie die Energiereserven für die nahen asiatischen Märkte verfügbar gemacht werden können. Es gibt dafür zwei Lösungsansätze und mehrere Varianten. Eine Option wäre Richtung Osten durch China, das hieße aber auch, eine Pipeline über mehr als 3000 km zu bauen, nur um Zentralchina zu erreichen. Außerdem bräuchte man über 2000 km Verzweigung, um die wichtigen bewohnten Zentren entlang der Küste zu erreichen. Die Frage stellt sich also auch nach den Transportkosten durch diese Pipelines und das für die Produzenten verbleibende Netback. Für diejenigen, die sich in der Terminologie nicht auskennen, das Netback ist der Preis, den der Produzent für sein Gas oder aus der Ölquelle erzielt, nachdem alle Transportkosten abgezogen sind. Deshalb ist das der eigentliche Preis, den er für sein Öl bezahlt bekommt.

Die zweite Option ist der Bau einer Pipeline nach Süden, die durch Zentralasien zum indischen Ozean führt. Ein Weg nach Süden verliefe durch den Iran, was von den amerikanischen Kompanien wegen der Sanktionen ausgeschlossen wird. Der andere mögliche Weg verläuft durch Afghanistan und natürlich verbirgt auch er seine Risiken. Das Land ist seit zwei Jahrzehnten in erbitterte Auseinandersetzungen verwickelt und ist immer noch durch den Bürgerkrieg geteilt. Zu Anfang haben wird deutlich gemacht, dass der Bau einer Pipeline nicht beginnen kann, bevor es eine Regierung gibt, die das Vertrauen der internationalen Regierungen genießt, sowie der Finanziers und unserer Kompanie. Wir haben eng mit der Universität von Nebraska in Ohama zusammengearbeitet zur Entwicklung eines Bildungsprogramms für Afghanistan, das für Frauen und Männer geeignet ist und in beiden Teilen des Landes, im Norden und Süden zum Einsatz kommen könnte.

Der Unocal schwebt eine Pipeline vor, als Teil eines regionalen Systems, welches das Öl aus den bestehenden Pipelines in Turkmenistan, Uzbekistan, Kazakhstan und Russland aufnehmen soll. Die Länge der Pipeline beträgt 1040 Meilen und erstreckt sich nach Süden durch Afghanistan, bis zu einem Exportterminal, der an der Küste Pakistans gebaut würde. Diese Pipeline mit einem Durchmesser von 42 Zoll (etwas mehr als 1 Meter d.R.), verfügte über eine Transportkapazität von einer Million Rohöl pro Tag. Die geschätzten Kosten des Projektes, beliefen sich in etwa auf die der Trans-Alaska-Pipeline, also auf etwa 2,5 Milliarden Dollar.

Da die überreichlichen Gasressourcen in Zentralasien gegeben sind, ist es unser Ziel, sie mit den nahegelegensten Märkten zu verbinden, die in der Lage sind, sie auch aufzunehmen. Das ist die Voraussetzung für die kommerzielle Machbarkeit jedes Gasprojektes. Aber auch diese Projekte verbergen ihre geopolitischen Schwierigkeiten. Die Unocal und die türkische Kompanie Koc Holding sind daran interessiert wettbewerbsfähige Lieferstellen in der Türkei zu errichten. die geplante Gasline Eurasia würde das Gas aus Turkmenistan direkt auf die andere Seite des Kaspischen Meers durch Azerbaijan und Georgien bis in die Türkei bringen. Natürlich sind die Grenzen der Kaspischen Senke eine offene Frage.

Letzten Oktober wurde das Central Asia Pipeline Consortium geschaffen, das sich Centgas nennt und an der die Unocal eine Teilhaberschaft besitzt (inzwischen aufgekündigt, d.R.), um eine Gasline zu entwickeln, die die großen Gasvorräte von Dauletabad in Turkmenistan mit den Märkten in Pakistan und vielleicht Indien verbindet. Die geplante Gasline ist 790 Meilen lang und öffnet neue Märkte für dieses Gas. Sie verläuft von Turkmenistan durch Afghanistan bis Multan in Pakistan. Ihre geplante Verlängerung ginge bis New Delhi, wo sie mit einer bestehenden Gasline verbunden werden könnte. Was die geplante Pipeline in Zentralasien anbelangt, kann Centgas nicht beginnen, bevor es nicht eine international anerkannte Regierung gibt.

Zentralasien und die Kaspische Senke sind gesegnet mit überreichlichen Öl- und Gasreserven, die das Leben seiner Bewohner verbessern und Energie für das Wachstum Europas und Asiens liefern könnten. Auch der Druck dieser Reserven auf die kommerziellen und außenpolitischen Interessen der USA ist signifikant. Ohne eine friedliche Lösung der Konflikte in dieser Region, sind Öl- und Gaslines über die Grenzen hinweg schwer zu bauen.

Wir verlangen von der Administration und dem Kongress mit aller Kraft den Friedensprozess unter Führung der Vereinigten Staaten zu unterstützen. Die Regierung der USA muss ihren Einfluss geltend machen, um dazu beizutragen, Lösungen für alle Konflikte in dieser Region zu finden.

Die Hilfe der USA zur Entwicklung dieser neuen Ökonomien ist lebenswichtig für den Fortschritt der Geschäftswelt. Wir unterstützen auch wirksame Programme der technischen Unterstützung in der gesamten Region. Besonders verlangen wir die Annullierung oder Abänderung der Sektion 907 des Freedom Support Act. Dieser Artikel beschränkt unrechtmäßig die Unterstützung der US-Regierung für die Regierung Azerbaijans und begrenzt den Einfluss der USA in dieser Region.

Transportwege für den Export zu wettbewerbsfähigen Kosten für die Energiereserven in Zentralasien zu entwickeln, ist eine schwierige aber nicht unmögliche Aufgabe. Die Unocal und weitere ähnliche Kompanien sind gut gerüstet, diese Aufgabe anzugehen und Zentralasien wie einstmals ins Zentrum des Handels zu rücken, so wie es in der Vergangenheit schon einmal war.
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Ergänzungen

nicht schon wieder....

Tomasz 19.10.2001 - 23:09
Nerv, müssen hier schon wieder diese Sandkastenspiele durchexerziert werden? Bei der NATO Agression gegen Jugoslawien haben sich doch auch etliche Linke entblöded, diese Pipleine- Theorie als Angriffsgrund anzuführen. Stimmt einfach nicht, das Ganze. Die Pipeline- Pläne in Afghanistan sind seit 1998 auf Eis. Die USA brauchen dort keine Pipeline mehr, da jetzt etliche durch Kaukasus + Türkei führen. Also bitte, es ist doch offensichtlich, wieso die Amis Afghanistan angreiffen: es sind ihre Creatures, die der US- Kontrolle entglitten sind, und jetzt Amok laufen. Das hauptziel der Ami- Operation ist die Beseitigung ihrer ehemaligen verbündeten, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, und der Aufbau einer Marionettenregierung. Alles andere ist Zugabe und Bonus.

Ja, Ja

Hoefgade 19.10.2001 - 23:16
Armer Schwachmatiker, den Realitäten willst du nicht ins Auge blicken. Hast deinen Sülz doch irgendwo abgeschrieben.
Stand so vor 1 Jahr schon im Spiegel. Na denn. Glaube an deine Taliban und an das "Böse" welches durch US verbreitet wird. Wenn ich krebskrank wäre: ich wüßte was ich zu tun hätte.

öl spielt immer eine rolle

rAtte 20.10.2001 - 19:46
Tomasz es ist einfach falsch, dass es schon genug pipelines über den kaukasus und die türkei gibt, afghanistan ist immer noch wichtig für die amerikanischen ölmultis und damit auch wichtig für die USA (kaum eine lobby hat so viel einfluss auf die us-politik wie die ölkonzerne), gerade nachdem grosse ölvorkommen in tadschikistan gefunden worden sind. zum abtransport stehen drei optionen offen:
1.) die traditionelle über russland, die ist aber sowohl den multis als auch den tadschiken unwohl weil russlands einfluss in dieser region nicht noch grösser werden soll
2.) die geographisch logische über den iran, scheidet aber wegen oben erwähnten gründen aus.
3.) die politische über afghanistan und pakistan, war den multis und den USA bis vor kurzem (97, seit die taliban in kabul fest im sattel sitzen) die liebste. es stimmt, dass alle pläne eingestellt wurden aber vergessen hat man diese möglichkeit deswegen nicht.
die pipeline ist sicher nicht der hauptgrund für den jetztigen krieg, aber spielt sicher auch eine grosse rolle, vor allem bei der bestimmung der nachfolgenden regierung in afghanisten, sollten die USA gewinnnen.

Erdgas- und Erdöl-Pipelines als Kriegsgrund

Thomas Immanuel Steinberg 23.10.2001 - 17:19
Vom Kaspischen Meer durch die Türkei führt bisher keine Pipeline. Wohl ist eine Öllleitung geplant nach Ceyhan am Mittelmeer. Deren Finanzierung ist aber nicht gesichert. Der Bau einer Gasleitung (Konsortialführer Eni, Italien)von Rußland nach Samsun in der Türkei auf dem 2000 m tiefen gebirgigen Boden des Schwarzen Meeres ist diesen Herbst begonnen worden.

Ebenfalls begonnen wurde der Bau einer 750.000 Barrel-pro-Tag-Pipeline von Burgas in Bulgarien durch Mazedonien bis Vlore in Albanien ( Wert 1,13 Mrd Dollar). Diese AMBO-Pipeline könnte 20 Millionen Autos laufend mit Benzin versorgen. Der Bau wurde nach der Besetzung des Kosovo begonnen, als der Korridor entlang der Donau durch Brückenzerstörung entwertet war. Eigentümer der Firma, die die Machbarkeitsstudie erstellt hat, ist Cheney, Vizepräsident der USA. Der Donaukorridor wurde von Eni (Italien) im Verbund mit ElfTotalFina (Belgien/ Frankreich) favorisiert, ist jetzt aber auf Jahre zurückgeworfen. Mehr unter www.thomasimmanuel.populus.ch und unter www.friedenhamburg.populus.ch

Steinberg