München: Demonstranten kommen nicht durch

Weißblau 02.02.2002 18:17 Themen: Militarismus
Demoverbot wird durchgesetzt
Ich komme gerade vorm Isartor. Für Ortsunkundige; das liegt hinter dem Marienplatz. Heute Mittag sind die Demonstranten in diese Richtung gedrängt worden, die Polizisten haben sich wie bei einer Treibjagd gesammelt.
Jetzt ist dort keiner mehr zu sehen.
Der Platz vor dem Isartor ist für den Verkehr abgesperrt, zahlreiche Mannschaftswagen der Polizei und BGS, Wasserwerfer, Ambulanzen und gepanzerte Räumfahrzeuge sind vor dem Tor postiert. Die Lage ist ruhig, viele schaulustige Münchner haben das schöne Wetter genutzt um mal einen "Demospaziergang" zu machen und Fotos zu schießen.
Sinnigerweise steht vor den Panzerwagen ein Wahlplakatschild der SPD. Text(sinngemäß):"Bei uns ist München in guten Händen.Ude und SPD"
Der Hohn, ich habe meine DigiCam gezückt und ein Foto gemacht, ich werde zusehen das ich das noch mal poste.

Versucht man in Richtung Marienplatz zu gehen wird die Spannung deutlich. Passanten werden von der Polizei nicht durchgelassen.
D.h. es ist de facto nicht möglich weiter vorzudringen. Anscheinend versucht die Polizei auf diese Weise das Demoverbot indem sie die Demonstranten auseinandertreiben und in Gruppen einzukesselt.
Die U- und S-Bahnhaltestelle Marienplatz ist auch keine Möglichkeit die durchzukommen. Ich habe vom Isartor aus Rufe und Thrillerpfeifen gehört, aber wie gesagt: Man kommt einfach nicht durch, schon garnicht als Einzelperson oder in Grüppchen.
Unter www.muenchner-marienplatz.de kann man die aktuelle Lage besichtigen, der Platz ist geräumt. Im Moment stehen nur Polizisten in strammen Gruppen dort.

Zusammenfassend bin ich wirklich entsetzt darüber das es überhaupt ein Demoverbot gibt und wie es durchgesetzt wird. Bisher ist noch keine Fensterscheibe eingeschlagen, kein Auto abgefackelt. Hätte das jemand tun wollen hätte er es sicherlich auch geschafft.
Wo sind die 3000 millitanten Demonstranten die München in Schutt und Asche verwandeln wollten?

Ich hoffe das viele Städte in Deutschland und anderswo SoliDemos veranstalten, für uns ist die Lage hier wirklich sehr schwer...
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Ergänzungen

Wasserwerfer

02.02.2002 - 19:00
Gerad, um ca. 18:40 sind je zwei Panzer und Wasserwerfer vom
Isartor stadtauswärts durch die Rosenheimer Straße gefahren.
Am Rosenheimer Platz haben sie mich abgehängt, daher weiß ich nicht wohin sie ungefähr gefahren sind

München muss wohl abgehakt werden!

Pöbel 02.02.2002 - 19:00
Wenn ich das hier alles so lese, hab ich den sehr starken Eindruck, dass die Gegendemos in München vollkommen ins Leere, bzw. in ein grünes Meer aus gewaltbereiten, grünuniformierten Brutalos gelaufen ist. Allerdings kapier ich den Sinn von diesen Demos nicht so wirklich. Was bringt es, wenn man in Genoa die halbe Stadt in Schutt und Asche legt?! Okay Randale find ich zwar geil, aber ist das wirklich noch effektiv?!

wartet mal den august ab

punx 02.02.2002 - 19:20
münchen kann ja dieses wochenende überstehen, aber im august sollen die chaostage dort stattfinden, edmund wird sich also auch im august warm anziehen müssen. am ersten augustwochenende wird dann mit Sicherheit aufgeräumt.

Ja was?

L 02.02.2002 - 19:21
Was nutzt es der Poliez, bürgerkriegsähnliche Sitautionen zu erzeugen? Gute Frage!

Insgesamt friedliche Demo

frieder 02.02.2002 - 19:21
ich komme gerade von der demo. ich habe zum glück nichts von irgendwelchen randalen mitbekommen. ein lob an alle demonstranten. nach einigen kessel-aktionen kam es um 17 uhr ungefähr noch zu einer demo quer durch münchen, die permanant von den bullen "geschützt" wurde. mir ist aufgefallen, dass es trotz dem großen grünen aufgebot zu keinen ausschreitungen von seiten der polizei gekommen ist. für heute abend hoffe ich, dass es zu randalen kommt, denn so wie es bis jetzt lief, war die demo ein voller erfolg und wenn es zu keinen randalen kommt, kann auch keiner davon berichten.
also: bleibt friedlich

Zwischenrede, ey

Carmen 02.02.2002 - 19:24
1. Eines steht jetzt schon fest: Der Versuch der Stadt München, das totale Demonstrationsverbot durchzusetzen, ist gescheitert. Mehrfach hat es bereits Aufzüge gegeben, ohne
dass die Polizei sie verhindern konnte. Das heißt: Ganz
egal, wie die Bilanz der Münchner Polizeiführung am Ende
ausfällt - ihr Ziel der absoluten Kundgebungsverhinderung
hat nicht geklappt. Für uns bedeutet dies: Der starke Staat muss dem mutigen und solidarischen Beharrungsvermögen der Demonstrierenden Konzessionen machen. Die Polizeitaktik des Ausnahmezustandes geht nicht auf.

2. Die Weigerung der Demonstrierenden, mit Sachschäden auf die Verhinderungsstrategie der Polizei zu reagieren, lässt bei liberal gesonnenen Menschen (und Medien) Mitleids- und Sympathieeffekte mit den Konferenzgegnern zu. Aktive, für die Gewaltfreiheit eine taktische Frage ist, sollten in den kommenden Tagen bei den inhaltlichen Nachbereitungen re-
flektieren, ob dies tatsächlich eine Wirkung auf die öffent-
liche Meinung zur NATO-Kriegspolitik hat.

Chaostage?

zuffner 02.02.2002 - 19:27
hallo, in einem beitrag weiter unten geht es um chaostage am ersten augustwochenende in münchen. ich hab da auch schon so was läuten gehört, weiss da jemand was genaueres. angesichts der lage könnte das sogar ein riesenspass werden

Sinnlose Gewaltanwendung der Polizei

Münchner Freiheit 02.02.2002 - 19:33
Ich komme gerade aus der Innenstadt. Ich durfte da beobachten wie die Polizei gezielt einen Demonstranten aus der Menge geholt hat. Vier (!!!) Mann haben ihn festgehalten, ein Fünfter hat reingetreten! Der laute Protest der Umstehenden hat dann zur Abdrängung durch die Polizei geführt, so daß nicht zu beobachten war, was mit dem Einen weiter passiert ist.
Weiter durfte ich beobachten, wie ein ca. 15jähriges Mädchen durch den Schlag eines Polizisten eine blutende Wunde auf der Stirn erlitten hat. Der Betreffende Schläger fiel danach nur durch ein arrogantes, selbstgefälliges Grinsen auf. Glücklicherweise waren die Demonstranten durchwegs friedlich. Das Gegenteil hätte angesichts der Aggressivität der Polizei äußerst blutige Folgen gehabt!

Meine Solidarität

Georg Huber 02.02.2002 - 22:27
Liebe Demonstranten,

bis gestern abend habe ich gedacht, die Linken haben eine Meise und nichts als Randale im Kopf.
Doch als ich gestern abend wie jede Woche am Isartor mein Bier trinken wollte, wurde ich von mehreren Polizisten daran gehindert. Selbst als ich ihnen meinen Ausweis zeigte und sagte, daß die Wirtin bestätigen könnte, daß ich dort jeden Freitag mein Bier trinke. ließen sie mich nicht durch.
Ihr könnt Euch sicher sein: den Stoiber wähl ich nicht noch mal!
Und die Politiker müssen mal wieder lernen, daß sie fürs Volk da sind.

Mit freundlichen Grüßen
Euer Georg

@georg

:-) 03.02.2002 - 13:00
danke georg!
wenn ich sowas hör, ist der ganze stress den ich hatte fast schon gerechtfertigt.
eine bitte noch: red mit deinen freunden und bekannten darüber, versuche ein bißchen was dazu beizutragen, daß demonstranten nicht einfach so als gewalttäter etc diffamiert werden.

immerhin war was los trotz Verbot

egal 03.02.2002 - 16:55
versuch mal, meinen Eindruck zusammenzufassen:

die Behauptung von 3000 anreisenden Gewalttätern war frei erfunden und ein Mittel, die Aktion und die Leute zu kriminalisieren. Nach mir vorliegenden Infos scheint die treibende Kraft hinter dieser Taktik im bayr. Innenministerium zu sein, nicht so sehr bei der Stadt und nicht bei der Polizei.

Wenn dies Schule macht, kann jede Demo und Versammlung mit der Behauptung von zu befürchtenden Ausschreitungen verboten werden.

Im Vorfeld gab es Diskussionen zwischen den Veranstaltern vom Anti-Nato-Bündnis und dem Münchner Friedensbündnis (Netzwerk aus der Friedensbewegung, www.muenchner-friedensbuendnis.de). Letztere haben auf die stärkere Betonung der Gewaltfreiheit und eine andere Sprache gedrängt, zugleich aber bewußt keinen eigene Veranstaltung gemacht, damit wir nicht auseinanderdividiert werden in die guten und die schlechten Demonstranten, sondern es wurde zu den gleichen Veranstaltungen aufgerufen.

Daß die Kessel in der Frauenstraße und im Tal aufgelöst wurden und die Leute ohne Personalienfeststellung freikamen, ist auch dem Verhandlungsgeschick und dem langen, beharrlichen Verhandeln zwischen Leuten aus dem Friedensbündnis und der Polizei zu verdanken. Da war die Polizei recht souverän und demokratisch.

Andererseits gab es lange Abwimmelungsversuche (Einsatzleiter ist nicht zu sprechen, anrufen können wir ihn gerade nicht und ähnliche Dummheiten) und dann eben auch viele Gewaltanwendungen gegen Leute, die - wenn schon - auch friedlich weggeführt hätten werden können. Das übliche: Wenn Presse da ist, bleiben sie gemäßigt, sonst wird schon mal geknüppelt.

Dahinter steckt m. E. ein Defizit bei der Polizei, die jungen, linken, autonom gekleideten Leute als vollwertige Staatsbürger ernst zu nehmen. Stattdessen werden sie wohl als Gegner empfunden. Das geht auf einer mehr emotionalen Ebene ab: z. B. nach der Öffnung des Kessels am Isartor haben zwar die PolizistInnen korrekt den Befehl zur Öffnung eingehalten, ein Spalier gebildet, aber dann die abziehenden Leute mit Ellbogen oder Faustschlägen behandelt - und sowas tuen eben Leute, die nicht souverän handeln, sondern die Öffnung als eine persönliche Demütigung empfinden und dann patzig nachhaken.

nochn bericht

thomas ziegler 19.02.2002 - 00:38
im link!