Gewerkschaftshaus in München eingekesselt

we´re ev´rywhere 02.02.2002 22:15 Themen: Globalisierung
Erstmals seit 1933 wurde wieder das Haus des Gewerkschaftsbundes in München von massiven Polizeikräften eingekesselt.
Besonders verwerflich erscheint das Vorgehen der Sicherheitskräfte, da die Veranstaltung im DGB - Haus eine bis 22:00 Uhr genehmigte Veranstaltung ist. Die Polizeitruppen sind seit 20:00 Uhr "zugegen" und fordern zum Verlassen des Hauses auf. Nach einer Information aus der Gruppe der Eingeschlossenen, ist der Einsatz der Polizei nicht genehmigt, d.h. illegal. In Verhandlungen wurde seitens der P. angeboten, die Örtlichkeiten einzeln zu verlassen, dies wurde von den Eingeschlossenen kategorisch abgelehnt. Ein Verlassen des Hauses sei erst denkbar, wenn die Kessel aufgelöst worden wären.

Direkt in der Nähe, in der Schillerstrasze besteht noch ein Kessel, in dem ca. 150 Menschen festgehalten werden; gefangen gehalten werden sie von massivem Aufgebot der Repressionsorgane, auszerdem sind sehr viele Sanitäter vor Ort. Die Menschen auszerhalb der Absperrungen sind zu wenige ... Eben erfahren: besagter Kessel in der Schillerstrasze ist aufgelöst, alle Eingesperrten sind nun festgenommen.
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Ergänzungen

Einschränkung

Johann 02.02.2002 - 22:43
Super, jetzt wird anscheinend das Versammlungsrecht sogar dann noch eingeschränkt, wenn man eine Genehmigung hat.

Frage

Frager 03.02.2002 - 03:58
Hat das schon wer an die Presse gemailt? Wenn ja, bitte angeben. Ich will aiuch ein paar Mails abschicken. Interessant übrigens, der wirklich illegale
(aber von oben gedeckte?) Einsatz: Als sich die Leute weigerten einzeln in Geahrsam genommen zu werden, verschwanden die Bullen einfach wieder.

@ Frager Was soll denn die Presse damit?

Hupfelmoserer 03.02.2002 - 11:19
Drucken dürfen sie es sowiso nicht.

Freier Abzug aus dem DGB - Haus

veranstaltungsbesucher 03.02.2002 - 11:24
Alle Besucher des DGB - Hauses konnten ungehindert - ohne Polizei ansehen zu muessen - das Haus verlassen.

Pressemitteilung von ver.di

ver.di Mitglied 03.02.2002 - 11:32
Falbisoner: "Nicht jeder Demonstrant ist ein Gewalttäter"

Die Landesbezirksleitung von ver.di-Bayern bedauert die Entscheidung des VGH der letzten Nacht, die Demonstrationen gegen die Münchner Sicherheitskonferenz zu verbieten.

Das Recht der freien Meinungsäußerung und das Recht auf Versammlungsfreiheit (GG Art. 5 und 8) gehören zu den höchsten demokratischen Normen, die Deutschland hat.

Die Gewerkschaften stehen traditionell an der Spitze der Friedensbewegung und ver.di-Bayern bedauert zutiefst, dass auch alle friedlichen Demonstrantinnen und Demonstranten in München dieses Wochenende gehindert werden, ihren Protest kundzutun.

"Nicht jeder Demonstrant ist im Vorhinein als Gewalttäter zu verdächtigen", so der ver.di-Chef Bayern Josef Falbisoner.

Denn: "Jede demokratische Gesellschaft, die ihre Konflikte nicht austrägt, sondern durch Verbotserlasse konserviert, hört auf, demokratisch zu sein, bevor sie beginnt, Demokratie zu begreifen." (Günter Grass).


(Timotheus Felder-Roussety, 01.02.2002)

 http://www.verdi-bayern.de/news.php3?si=3c5cfd94cf889

auge um auge

mAx 03.02.2002 - 13:14
beim rueckblick auf 1933 faellt mir ein spruch ein, der damals in muenchen an eine haeuserwand geschrieben wurde:
"fuer jeden ermordeten antifaschisten, fallen zwei schupo-offiziere! ROTFRONT!"

auch die polizei sollte wohl ein neues 1933 vermeiden. um ihrer eigenen belange wegen. rotfront ;-)

Polizeieinsatz illegal?

rooty 03.02.2002 - 13:24
Aus dem DGB-Haus heraus wurde zunächst der Stadtrat Fricke (DaGG)beauftragt, sich im Polizeipräsidium nach dem Kesseleinsatz zu erkundigen. Als klar war, dass der Einsatz vom Präsidium "nicht vorgesehen" war, erklärte der Einsatzleiter vor Ort, es handele sich um eine durch Not-/Ausnahmezustand (!) gerechtfertigte Sofortmassnahme.
Mit Hilfe der höheren Gewerkschaftsfunktionäre und der Ankündigung, die Presse/TV ins DGB-Haus zu holen, um sie von der ersten Gewerkschaftsbesetzung seit 1933 zu informieren, gelang es die Forderung nach völligem Rückzug der Cops durchzusetzen.