Was Zora von den Osnabrücker Hauspiraten zu berichten hat
Wer hätte das gedacht - sie sind immer noch drin und werden auch erstmal bleiben - VORERST...denn drei Wochen nach dem Einzug soll schon der Bagger anrollen...
Wie aufmerksame IndyMediaNutzer sicher schon mitgekriegt haben, gibt es in Osnabrück seit dem 1.Mai nach über zehn Jahren Stillstand wieder eine (länger als 20 Minuten andauernde) Hausbesetzung. Meineeine war eine der ersten BesucherInnen der mittlerweile wieder recht hübschen Immobilie und ihrer Bewohner. Im folgenden ein kleiner Erlebnisbericht...was lief, was läuft und was noch kommen mag...
Wie aufmerksame IndyMediaNutzer sicher schon mitgekriegt haben, gibt es in Osnabrück seit dem 1.Mai nach über zehn Jahren Stillstand wieder eine (länger als 20 Minuten andauernde) Hausbesetzung. Meineeine war eine der ersten BesucherInnen der mittlerweile wieder recht hübschen Immobilie und ihrer Bewohner. Im folgenden ein kleiner Erlebnisbericht...was lief, was läuft und was noch kommen mag...
ERST DIE PIZZE, DANN DIE BULLEN
Da stand ich nun. Vor dem Haus. Dem besetzten Haus. Ich war mit ein paar Freunden zufällig vorbeigekommen, an diesem Haus. An dem ein dickes "BESETZT" prangte. Vor dem Leute saßen, die mir bekannt vorkamen. Sie hatten es in den Morgenstunden besetzt, noch war kein Räumpanzer zu sehen, der Tag schien friedlich bleiben zu wollen.
Mensch gesellte sich hinzu und als der Hunger sich gierig meldete, wurde eilig Pizza bestellt. Es gab ja auch eine Adresse: Koksche Str. 73. "Nein, die steht nicht mehr leer. Wir vergackeiern euch nicht"....
Die Pizza müssen die Bullen gerochen haben, ein Streifenwagen kroch aus seinem Loch und spuckte zwei PB aus, die vergeblich versuchten, Herren der Lage zu werden. Da niemand ernsthaft mit ihnen sprach, holten sie Verstärkung. Zum ersten Streifenwagen gesellte sich ein zweiter, ein Zivibullenwagen und schließlich noch ein SIXpack.
Es folgten konspirative Beratungen, die unserer neugierigen Ohren Meinung nach vor allem darum kreisten, zu verstehen, was eigentlich vor sich ging und wie die Aussage: "wir feiern hier heute nur und morgen sind'wer wieda wech" zu werten sei.
Anscheinend machtlos, da feiertäglich kein Zuständiger der OWG (Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft, Eigentümerin des Hauses) zu erreichen war, zogen sie schulterzuckend von dannen, mit der Auflage, dass das Gebäude am nächsten Morgen bis 9.00 Uhr geräumt sein möge. Aha, mmh.
GALGENFRIST FÜR EIN RATTENLOCH
Am diesem ersten Tag war das Gebäude kaum mehr als ein Müllhaufen, Schutt, Moder. Abgerockt und verlassen, abgerissene Tapeten. Herausgetreten die Klos, die Waschbecken. Schimmelpilz. Ein fast hoffnungsloser Fall.
Und dies auch angesichts der Fakten, die sich aus einem Gespräch mit der OWG am nächsten Tag ergaben: zwar stellte sie keinen Strafantrag, allerdings nur deshalb, da sie die Immobilie eh in drei Wochen (!) abreißen wolle. Galgenfrist für ein Rattenloch.
Aber vielleicht das Einzige, was unsereins noch übrigbleibt, wenn alles andere der Profitmacherei und Spekulation überlassen wird? Die erste Hausinspektion hinterließ bei mir trotz allem ein Gefühl von Aufbruch, von Tatendrang: Eine Atmosphäre, die von den Besetzern ausging. Es roch nach Abenteuer. Und nach unverbesserlichem Optimismus.
ES ENTSTEHT GANZ AUTONOM WAS KUNTERBUNTES
Dieser war auch bitter nötig, angesichts der Tatsachen, die einem/r nicht nur ins Auge, sondern auch in die Nase sprangen. Aber dann wurde aufgeräumt, gefegt, gehämmert, geschraubt, Tapeten wurden abgerissen, Fenster dichtgemacht, Öfen angeschleppt, eingebaut und angeschmissen, ebenso ein Stromaggregat.
Ein Maler hat in den ersten Tagen pötteweise Farbreste gespendet, besten Dank, und damit buntesten Aktionismus, zumeist in Pastell, ausgelöst. Die Fassade hat seither einen rosa Touch und macht sich mit den ganzen Transpis und der Piratenfahne auf dem Dach beeindruckend. Das ganze könnt ihr hoffentlich bald auf Photos bewundern, wie ich hörte, werden diese Woche welche ins Netz gestellt.
Das erste, was in dem Haus stattfand, nachdem es soweit in Schuss gebracht worden war, dass es wieder wohnlich wurde, war - natürlich - ein Konzi. Inzwischen gab es unter anderem einen Tag der offenen Baustelle (an dem leider kaum Bürger auftauchten),ein weiteres, sehr fettes Konzert sowie eine Lesung von zwei kurdischen Schriftstellern/Dichtern und an vielen Tagen warme vegane Völkerküche für alle.
Und was geht demnäxt? Auf jeden Fall am 20.5. ein Soli-Konzi mit DUESENJÄGER + ENDEARMENT. Dann ist in Planung, jeden TAG 18-20.00 Völkerküche anzubieten und jeden Dienstag ab 20.00 einen Videoabend zu machen. Ach, bevor ich's vergesse, gibt's jeden Sonntag das obligatorische LindenstrasseGlotzen, wo meines Wissens jedeRmensch reinschauen darf..
ABER: ob das ganze Projekt Zukunft hat, ist noch nicht abzusehen, die OWG hat sich auf einen Brief von den Besetzern noch nicht gemeldet, in dem diese um das Stehenlassen des Gebäudes bitten. Wenn die OWG bei ihrem Abrissvorhaben bleibt, besteht ab 22. Mai akute Räumungsgefahr. Spitzt also die Ohren.
Hier noch mal Kontakt und Solikonto:
INFOS: 0170/14 95 522
Spendenkonto: 30 30 509
BLZ: 2655 01 05
Stichwort: Koschestr.73
zwei weitere Beiträge auf indy:
http://www.de.indymedia.org/2002/05/21058.shtml
http://www.de.indymedia.org/2002/05/21777.shtml
Mit sonnigem Gruß und Zwinkern, Zora.
Da stand ich nun. Vor dem Haus. Dem besetzten Haus. Ich war mit ein paar Freunden zufällig vorbeigekommen, an diesem Haus. An dem ein dickes "BESETZT" prangte. Vor dem Leute saßen, die mir bekannt vorkamen. Sie hatten es in den Morgenstunden besetzt, noch war kein Räumpanzer zu sehen, der Tag schien friedlich bleiben zu wollen.
Mensch gesellte sich hinzu und als der Hunger sich gierig meldete, wurde eilig Pizza bestellt. Es gab ja auch eine Adresse: Koksche Str. 73. "Nein, die steht nicht mehr leer. Wir vergackeiern euch nicht"....
Die Pizza müssen die Bullen gerochen haben, ein Streifenwagen kroch aus seinem Loch und spuckte zwei PB aus, die vergeblich versuchten, Herren der Lage zu werden. Da niemand ernsthaft mit ihnen sprach, holten sie Verstärkung. Zum ersten Streifenwagen gesellte sich ein zweiter, ein Zivibullenwagen und schließlich noch ein SIXpack.
Es folgten konspirative Beratungen, die unserer neugierigen Ohren Meinung nach vor allem darum kreisten, zu verstehen, was eigentlich vor sich ging und wie die Aussage: "wir feiern hier heute nur und morgen sind'wer wieda wech" zu werten sei.
Anscheinend machtlos, da feiertäglich kein Zuständiger der OWG (Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft, Eigentümerin des Hauses) zu erreichen war, zogen sie schulterzuckend von dannen, mit der Auflage, dass das Gebäude am nächsten Morgen bis 9.00 Uhr geräumt sein möge. Aha, mmh.
GALGENFRIST FÜR EIN RATTENLOCH
Am diesem ersten Tag war das Gebäude kaum mehr als ein Müllhaufen, Schutt, Moder. Abgerockt und verlassen, abgerissene Tapeten. Herausgetreten die Klos, die Waschbecken. Schimmelpilz. Ein fast hoffnungsloser Fall.
Und dies auch angesichts der Fakten, die sich aus einem Gespräch mit der OWG am nächsten Tag ergaben: zwar stellte sie keinen Strafantrag, allerdings nur deshalb, da sie die Immobilie eh in drei Wochen (!) abreißen wolle. Galgenfrist für ein Rattenloch.
Aber vielleicht das Einzige, was unsereins noch übrigbleibt, wenn alles andere der Profitmacherei und Spekulation überlassen wird? Die erste Hausinspektion hinterließ bei mir trotz allem ein Gefühl von Aufbruch, von Tatendrang: Eine Atmosphäre, die von den Besetzern ausging. Es roch nach Abenteuer. Und nach unverbesserlichem Optimismus.
ES ENTSTEHT GANZ AUTONOM WAS KUNTERBUNTES
Dieser war auch bitter nötig, angesichts der Tatsachen, die einem/r nicht nur ins Auge, sondern auch in die Nase sprangen. Aber dann wurde aufgeräumt, gefegt, gehämmert, geschraubt, Tapeten wurden abgerissen, Fenster dichtgemacht, Öfen angeschleppt, eingebaut und angeschmissen, ebenso ein Stromaggregat.
Ein Maler hat in den ersten Tagen pötteweise Farbreste gespendet, besten Dank, und damit buntesten Aktionismus, zumeist in Pastell, ausgelöst. Die Fassade hat seither einen rosa Touch und macht sich mit den ganzen Transpis und der Piratenfahne auf dem Dach beeindruckend. Das ganze könnt ihr hoffentlich bald auf Photos bewundern, wie ich hörte, werden diese Woche welche ins Netz gestellt.
Das erste, was in dem Haus stattfand, nachdem es soweit in Schuss gebracht worden war, dass es wieder wohnlich wurde, war - natürlich - ein Konzi. Inzwischen gab es unter anderem einen Tag der offenen Baustelle (an dem leider kaum Bürger auftauchten),ein weiteres, sehr fettes Konzert sowie eine Lesung von zwei kurdischen Schriftstellern/Dichtern und an vielen Tagen warme vegane Völkerküche für alle.
Und was geht demnäxt? Auf jeden Fall am 20.5. ein Soli-Konzi mit DUESENJÄGER + ENDEARMENT. Dann ist in Planung, jeden TAG 18-20.00 Völkerküche anzubieten und jeden Dienstag ab 20.00 einen Videoabend zu machen. Ach, bevor ich's vergesse, gibt's jeden Sonntag das obligatorische LindenstrasseGlotzen, wo meines Wissens jedeRmensch reinschauen darf..
ABER: ob das ganze Projekt Zukunft hat, ist noch nicht abzusehen, die OWG hat sich auf einen Brief von den Besetzern noch nicht gemeldet, in dem diese um das Stehenlassen des Gebäudes bitten. Wenn die OWG bei ihrem Abrissvorhaben bleibt, besteht ab 22. Mai akute Räumungsgefahr. Spitzt also die Ohren.
Hier noch mal Kontakt und Solikonto:
INFOS: 0170/14 95 522
Spendenkonto: 30 30 509
BLZ: 2655 01 05
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http://www.de.indymedia.org/2002/05/21058.shtml
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
@ zora