Solidaritätsaufruf für Venezuela

puk e.V. 10.12.2002 21:48 Themen: Militarismus Soziale Kämpfe Weltweit
Erneuter Putschversuch? Stoppt neoliberalen Terror!
Opposition Venezuelas bekämpft demokratische Grundordnung

Appell an Parteien, Stiftungen, Gewerkschaften, Medien- und Kirchenvertreter der Bundesrepublik Deutschland

Öffentlicher Aufruf zum Kopieren und Weiterleiten an die oben genannten Organisationen! Bitte massenhaft verbreiten! Solidarität mit der bolivarianischen Revolution!
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben Sie an, da wir zutiefst besorgt sind über die aktuelle politische Situation in Venezuela und die öffentlichen Reaktionen in der Bundesrepublik darauf.

Seit Dezember 1998 ist Hugo Chávez demokratisch gewählter Präsident Venezuelas und stellt mit der "Bewegung 5. Republik" die Regierung. 1999 stimmten 70 Prozent der Bevölkerung für die neue bolivarianische Verfassung, die unter der Regierung Chávez erarbeitet wurde. Im Juli 2000 wurde Chávez in einer vorgezogenen Wahl, die von der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) und anderen internationalen Organisationen als faire, freie und geheime Wahl anerkannt wurde, mit absoluter Mehrheit der Wahlberechtigten für 6 Jahre im Amt bestätigt.

In den wenigen Jahren seiner Amtszeit hat die Regierung Chávez weitreichende soziale und politische Reformen in Venezuela auf den Weg gebracht und umgesetzt. Die neue Verfassung des Landes ist die modernste Lateinamerikas. In ihr sind weitreichende soziale Rechte für die Bevölkerung verankert. Unter der Regierung Chávez wurde der Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption aufgenommen, die offizielle Arbeitslosigkeit sank um über 5 Prozent, Alphabetisierungskurse wurden verdreifacht, die Kindersterblichkeit sank von 21 auf 17 Prozent. Darüber hinaus wurden wesentliche Elemente der Mitbestimmung für die Bevölkerung eingeführt (partizipative Demokratie) und die Rechte von Indígenas und Frauen gestärkt. Weitere Reformprojekte (Landreform, Bildungsreform) stehen kurz vor der Umsetzung. Mit diesen Maßnahmen hat sich die Regierung Chávez den Hass der früheren Oligarchie, die nach wie vor über großen wirtschaftlichen und politischen Einfluss sowie nahezu alle Medien des Landes kontrolliert, auf sich gezogen. In beispielloser Weise versucht die Opposition aus Unternehmerverband, korrupten Gewerkschaftsführern, neoliberaler Parteien und Militärs, Medien- und Kirchenvertretern, sich über die verfassungsgemäße Ordnung der Republik Venezuela hinwegzusetzen und die Regierung mit allen Mitteln zu stürzen. Zuletzt misslang ihr Versuch im April 2002, als die gleiche Koalition in einem bewaffneten Putsch Präsident Chávez stürzte und für 24 Stunden den Präsidenten des Unternehmerverbandes, Carmona, zu dessen Nachfolger erklärte. Der Putsch scheiterte, weil mehrere Millionen Venezolaner auf die Straßen gingen und die Rückkehr Chávez forderten.

Ähnlich verhält es sich auch diesmal. Während die Oligarchie durch die Schließung der Betriebe "von oben" (Aussperrung) international den Eindruck eines "Generalstreiks" vermitteln will, werden geschlossene Betriebe von den Arbeitern besetzt und die Produktion fortgeführt. Während Erdöltanker von Reedern und Kapitänen am Einlaufen in die Häfen gehindert werden, meutert die Besatzung, um die Versorgung zu gewährleisten. Die neoliberale Opposition mobilisierte in einer landesweiten Kundgebung 200.000 Gefolgsleute zur Unterstützung des Umsturzversuchs. Dagegen demonstrierten wenige Tage später allein in Caracas 2 Millionen Menschen und bekundeten ihre Unterstützung für die Regierung Chávez und ihre "bolivarianische Revolution". Während die privaten venezolanischen Medien offen zum Umsturz aufrufen, demonstriert die Bevölkerung vor den Sendezentralen und verlangt, die Wahrheit zu berichten.

Mit Befremden stellen wir fest, daß Parteien, Stiftungen, Gewerkschaften, Medien und Kirchen in der Bundesrepublik zu den antidemokratischen Umsturzversuchen der Opposition in Venezuela schweigen oder sich auf die Seite der Antidemokraten stellt und unkritisch deren Berichterstattung übernimmt! Deshalb noch einmal deutlich: Es handelt sich bei den Aktionen der Opposition um direkte Angriffe auf die demokratische Grundordnung und die Verfassung Venezuelas. Es ist der Versuch, eine demokratisch gewählte Regierung gegen den Willen der Mehrheit und auch mit dem Einsatz von Gewalt zu stürzen.

Wir fordern Sie auf, öffentlich Stellung in diesem Konflikt zu beziehen und Ihre Kontakte zu nutzen, auf Ihre Kolleginnen und Kollegen, Parteifreunde, Glaubensbrüder und -schwestern in Venezuela Einfluss zu nehmen, die demokratische Grundordnung zu respektieren, die verfassungsmäßige Ordnung des Landes zu akzeptieren und jeglichen Angriff auf die venezolanische Demokratie und ihre Repräsentanten zu unterlassen.

Es darf kein zweites Chile geben, es darf kein neues Blutvergießen für das Machtstreben der Oligarchie Venezuelas geben. Wir fürchten um das Wohlergehen der venezolanischen Bevölkerung und der demokratischen Entwicklung des Kontinents!
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Ergänzungen

10.12.2002 - 23:54
04.11.2002
,,Generalsprotest"
CARACAS (Eigener Bericht) - Zum wiederholten Male interveniert eine Auslandsniederlassung der deutschen Parteien in die Angelegenheiten ihres Gastlandes. In Venezuela lässt die von der CDU geführte ,,Konrad-Adenauer-Stiftung" durch ihren Repräsentanten verlauten, dass sie den Sturz der demokratisch gewählten Regierung des Landes in Betracht ziehe. Der ,,Stiftungs"-Vertreter, Michael Lingenthal, erklärte öffentlich, in Venezuela müssten Neuwahlen stattfinden; sollte sich der venezolanische Präsident Hugo Chavez dieser Forderung nicht beugen, ,,gefährde" er seine internationale ,,Anerkennung".
Die kaum verhüllte Drohung der deutschen ,,Stiftung" richtet sich gegen die Verfassung Venezuelas, die vorgezogene Neuwahlen in das Belieben des Souveräns stellt, aber nicht von der ,,Anerkennung" ausländischer Ratgeber abhängig macht.
Deutsche ,,Idee"
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez, der vor zwei Jahren mit klarer Mehrheit gewählt worden war, hat im April 2002 einen bewaffneten Putschversuch niederschlagen können. In die tragenden Ideen dieses Umsturzes scheint der deutsche Parteien-Repräsentant eingeweiht gewesen zu sein. Die ,,Idee war, eine Regierung mit einer breiten demokratischen Basis zu bilden"1), verharmloste Lingenthal den Verfassungsbruch venezolanischer Militärs, die sich zahlreicher ausländischer Gönner erfreuen.
,,Unvoreingenommene Einschätzung"
Der Repräsentant der ,,Konrad-Adenauer-Stiftung" sieht auch aktuell keinen Grund, sich von der offenkundigen Neuauflage militärischer Putschversuche zu distanzieren. Obwohl venezolanische Armeegeneräle inzwischen in Uniform zu Verhandlungen mit internationalen Organisationen antreten, rät Lingenthal zu einer ,,kritisch-unvoreingenomme(n) Einschätzung" der Putschvorbereitungen, die er als ,,Generalsprotest" verniedlicht.
,,Geheimbündelei"
Mehrere deutsche Parteien-,,Stiftungen" (Konrad-Adenauer-Stiftung/CDU; Friedrich-Ebert-Stiftung/SPD; Friedrich Naumann-Stiftung/FDP; Heinrich-Böll-Stiftung/Bündnis 90-Die Grünen) sind in Umsturz- und Sezessionsversuche verwickelt. Der Ebert-Stiftung werden massive Interventionen in Spanien nachgesagt, die Böll-Stiftung wird der Unterstützung separatistischer Umtriebe in der Volksrepublik China verdächtigt. Gegen Vertreter der ,,Stiftungen", die der deutsche Staat mit Millionensummen ausstattet, wurde jüngst in der Türkei Anklage wegen ,,Geheimbündelei" erhoben.2)
1) Chávez verspricht Korrektur seiner Politik; Handelsblatt 15.04.2002
2) s. Türkei: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen deutsche Stiftungen wegen ,,Geheimbündelei
von:  http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1036364401.php

K.-Adenauer-S. unterstützt primero justicia

Julio Krüger 11.12.2002 - 02:13
Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat den Aufbau der Putschisten-Partei "Primero Justicia" finanziert und unterstützt!!!

Indymedia + Solidarität ?

egal@web.de 12.12.2002 - 17:46
Ganz Toll, Indymedia. Sowas unter "ferner liefen" zu posten, zeugt von eimem echten Internationalismus-Gedanken bei einigen Indy-Admins. Dagegen ist es ja immer wieder hochspannend, auf der Startseite zu lesen, welcher Bulle wem wann auf welcher Demo verhauen hat und wie schlimm das alles war. Als ob das was neues wäre. Mit eurer inhaltlichen Auswahl der Postings setzt ihr klare Akzente in der "freien" Berichterstattung. Diese Akzente sollte ihr viellicht mal öffentlich deklarieren, damit mensch weiss, woran man bei Indymedia ist. Dann aber nennt Euch bitte nicht freies, unzensiertes Medium - auch eine Vorauswahl und Akzentuierung kann schnell in Richtuung verdeckter Zensur gehen - die herkömmlichen Medien lassen grüssen.

Moderationskriterien

-- 12.12.2002 - 17:58
Aufrufe bleiben nach den Moderationskriterien bei indymedia immer im open postinmg, also reg dich ab.

Inhaltliche Auswahl?

Ich höre wohl nich richtig! 12.12.2002 - 19:57
Wenn wer inhaltlich auswählen will, dann irgendwelche Kommies, die "wichtige" und "unwichtige" Nachrichten kennen. Bei Indymedia gehts darum, einen anderen Umgang mit Medien zu erlernen, der Gegeninformationsgedanke steht erst an 3. Stelle. Hier wärst Du wohl besser bei Linkeseite.de und Nadir aufgehoben - diese Seiten gibts ja nicht umsonst.
PS: Bist Du immer so aggro?