Eskalierende Nazigewalt in Russland (Chronik)

Human Rights Moscow 27.03.2008 16:54 Themen: Antifa Weltweit
Seit Jahresbeginn eskaliert die neonazistisch motivierte Gewalt in Russland in einem erschreckenden Ausmaße. Bereits 38 Menschen sind dieses Jahr von russischen Nationalisten ermordet worden. 113 Menschen erlitten bei neonazistischen Uebergriffen Verletzungen.
In der “Novaja Gazeta” (Neue Zeitung, eine der letzen kritischen Zeitungen in Russland) ist heute eine Chronik der Uebergriffe im Maerz dieses Jahres erschienen. Sie geht aus Beobachtungen von Mitarbeitern der Novaja Gazeta (Link) und der NGO “SOVA “ (Link) hervor.
Demnach sind allein im Maerz 10 Menschen bei rassistischen Uebergriffen ermordet worden. Ich habe die Chronik unkommentiert uebersetzt.
Wer etwas zu den Hintergruenden und Reaktionen der juengsten Gewaltwelle lesen will :
In der Jungle World 10/2008 ist der Artikel “Morde wie vom Fließband” erschienen.Link
Und natuerlich Indymedia Russland

“Nazi-Chronik”: Maerz 2008

erschienen in: Novaja Gazeta, 27.03.2008

1. Maerz, Tscheljabinsk: Vor dem Rockgeschaeft “Overdrive” werden 4 Menschen von Nazi-Skinheads ueberfallen. Ein Jugendlicher stirbt vor Ort, die anderen drei werden in die Reanimation gebracht.

2. Maerz, Brjansk: Ein oertlicher Antifaschist wird von zwei Nazi-Skinheads uberfallen

4. Maerz, St. Petersburg: In der Moskauer Chausee wird der Aserbaidschaner Gulam Gambarov von Unbekannten ueberfallen und niedergestochen. Der 58-jaehrige stirbt noch vor Ort.

4. Maerz, St. Petersburg: In der Naehe der Eisenbahnstation Levashovo wird ein 50-jaehriger Mann aserbaidschanischer Abstammung von drei Unbekannten brutal ermordet. Dem Opfer werden Stechwunden an Hals, Haenden und Brust zugefuegt. Das linke Ohr ist abgetrennt.

5. Maerz, Voronesh: Im Leninski Prospekt wird der 15-jaehrige Andrej Subkov ermordet. Die Angreifer maltraetieren ihr Opfer mit Fusstritten. Als das Opfer bewusstlos am Boden liegt, stechen die Faschisten 14 mal auf Andrej ein. Das Gesicht wird bis zur Unkenntlichkeit verstuemmelt.

7. Maerz, Moskau: Um 19 Uhr wird eine Gruppe chinesischer Studenten von 5 Unbekannten ueberfallen. Die Angreifer sind Schwarz gekleidet und tragen Sturmhauben. Zwei Studenten werden mit Stechwunden in Hals und Bauch in ein Krankenhaus eingeliefert.

7. Maerz, Moskau: Um 19 Uhr wird ein chinesischer Staatsbuerger ueberfallen und mit Messerstichen verletzt.

8. Maerz, Sputino (Vorort im Sueden Moskaus): Bei einem Ueberfall auf zwei kirgisische Staatsbuerger wird der 47-jaehrige Rustam Kirgisbaev erstochen. Das Opfer stirbt noch vor Ort.

9. Maerz, Moskau: Ein Mann afrikanischer Abstammung wird in der Metro von Nazi-Skinheads angegriffen. Ein Maedchen, das das Opfer vor den Angreifern schuetzen will, wird ebenfalls verletzt.

11. Maerz, St. Petersburg: In der Kronstadtstrasse wird ein 17-jaehriger Usbeke von zwei Unbekannten ueberfallen. Die Angreifer stechen drei Mal auf ihr Opfer ein. Nach dem Angriff schleppt sich der 17-jaehrige noch in die Wohnung seiner Eltern, erliegt dort aber seinen schweren Verletzungen.

12. Maerz: St. Petersburg: Ein 20-jaehriger Student aus Ghana wird von drei Unbekannten ueberfallen. Das Opfer wird mit 30 Stichwunden und schweren Hirnverletzungen in die Reanimation eingeliefert.

15. Maerz, Moskau: In der Metrostation “Praschskaja” wird ein Nigerianischer Student von drei unbekannten uberfallen. Der 27-jaehrige wird mit einer Gehirnerschuetterung und einem Nasenbeinbruch in ein Krankenhaus eingeliefert.

16. Maerz, Moskau: Im Norden der Stadt wird ein 20-jaehriger Tadschike von drei jungen Maennern ueberfallen und mit Messern verletzt. Das Opfer befindet sich in der Reanimation.

16. Maerz, Moskau: Im Osten der Stadt wird der blutueberstroemte Raimbek Duischenaliev gefunden. Unbekannte haben dem 52-jaehrigenTadschiken mehrmals in die Brust gestochen. Das Opfer befindet sich in der Reanimation, sein Zustand ist kritisch.

16. Maerz, Moskau: Im Westen der Stadt wird der Tadschike Machmadiev von Unbekannten mit Messern ueberfallen.

16. Maerz, Moskau: Im Sueden der Stadt wird der Tadschike Mamad Ali Achmedov von Unbekannten ueberfallen und verstuemmelt. Dem Opfer werden Nase und Lippen abgeschnitten.

16. Maerz, Moskau: An der Metrostation “Kitai Gorod” wird eine Gruppe Jugendlicher von Neonazis angegriffen. Die Jugendlichen befanden sich auf dem Weg zu einem Punkkonzert in dem Club “Art Garbage”. Der 21-jaehrige Punker Aleksej Krilov stirbt noch vor Ort. Auf ihn ist mehr als 30 mal eingestochen worden.

16. Maerz, Voronesh: Ein 27-jaehriger Chinese wird von zwei Unbekannten ueberfallen und verletzt.

17. Maerz, Moskau: Ein 45-jaehriger Tadschike wird von einem Unbekannten ueberfallen und mit Stichwunden im Bauch in ein Krankenhaus eingeliefert.

18. Maerz, Moskau: Der Aserbaidschaner Nisam Goraev wird tot aufgefunden. Unbekannte haben den Gemueseverkaeufer mit Messern ueberfallen.

19. Maerz, Tscheljabinsk: Unbekannte ueberfallen einen 27-jaehrigen Kirgisier. Die Taeter stechen blitzschnell fuenf mal auf ihr Opfer ein und fluechten. Der 27 Jaehrige stirbt noch vor Eintreffen des Krankenwagens.

20. Maerz, Saveti Ilicha (suedlich von Moskau): In der Bahnhofstrasse wird ein schwerverletzter Armenier mit Stichwunden im Hals aufgefunden. Der 43 Jaehrige stirbt unmittelbar nach Eintreffen des Krankenwagens.

21. Maerz, Moskau: In der Naehe der Metro “Rechnoi Voksal” wird die 34-jaehrige Ella Gedeeva ermordet. Auf das Opder ist zehn mal eingestochen worden.

22. Maerz, Moskau: In der Metrostation “Ochotni Rjad” werden zwei Jugendliche von Nazi-Skinheads ueberfallen. Die Nazis verletzen die Jugendlichen und versuchen sie vor die Metro zu schubsen.

22. Maerz, Orel: Zwei bewaffnete Nazi-Skinheads ueberfallen einen Antifa. Das Opfer ist Bassgitarrist der Gruppe “Make a Change”.

23. Maerz, Brjansk: Ein oertlicher Antifa wird von Nazi-Skinheads uberfallen und verletzt
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Ergänzungen

langsam!

ich 27.03.2008 - 19:50
jetzt mal langsam alle zusammen. bei einem teil der vorfälle wird ja ganz klar gesagt, dass man weiss, dass es nazis waren. aber beim rest, und das ist über die hälfte, sind die täter offenbar unbekannt und auch die angegebenen links geben darüberhinaus nichts für die nazithese her. also was soll das, einfach mal so zu vermuten, es werden schon nazis gewesen sein? sind die einwandfrei dokumentierten fälle nicht traurig genug? warum müssen die opferzahlen mit zweifelhaften methoden aufgebläht werden? je mehr desto besser oder was?

Jetzt mal langsam?

realo 28.03.2008 - 00:05
Ich glaube nicht, dass irgendjemand ein Interesse an der "Aufblaehung" von Opferzahlen hat. Und dein angehaengtes "umso mehr, desto besser?" ist ekelig.
Bei Neonaziueberfaellen gibt es ja noch mehr Gemeinsamkeiten als die "ethnische" oder politische Zugehoerigkeit der Opfer. Da waere einmal ein recht banal erscheinender Zusammenhang: Wenn bei einem ermordeten Migranten oder Antifa sowohl Handy, als auch Geld nicht geklaut worden sind, ist ein nationalistisch motivierter Ueberfall sehr wahrscheinlich.
In Migrantencommunitys und "serioesen" Instituten in Russland wird mit diesem Zusammenhang gearbeitet. Natuerlich hinterlassen die Nazis kein Bekennerschreiben und nicht immer werden Vermummte beim Wegrennen beobachtet. Und dass hinter den Ueberfaellen keine Nazis stecken kann man wohl auch nie gaenzlich ausschliessen. Ich wuerde aber davon ausgehen, dass die russischen NGOs, die solche Chroniken erstellen, genug Indizien (und Ahnung)haben, um die Morde von normaler Kriminalitaet zu unterscheiden.
Selbst in buergerlichen russischen Medien wird mittlerweile von 38 Toten gesprochen. Und ob die russische Presse ein Interesse an deiner "Aublaehung" hat ist doch zweifelhaft, oder?

@realo

fundi 28.03.2008 - 12:05
auch in russland brauchen antirassistische usw. einrichtungen, die eventuell förderdergelder erhalten eine existenzberechtigung, also werden sie versuchen, möglichst viele ungeklärte fällle (wenn ein täter unbekannt ist ist er eben unbekannt und alles andere vermutung) als faschistisch motiviert einzuordnen um ihre eigene notwendigkeit, an der ja auch die arbeitsplätze der aktivisten hängen, zu beweisen. ist ja hierzulande genauso, wieso solls da anders sein? ich denke, dass sich die frage "je mehr desto besser?" auf diese fragwürdige praxis bezieht.

Video von der Demo

Antif Rusia 29.03.2008 - 22:14
Ночной марш антифашистов
 http://www.youtube.com/watch?v=xmwD_B_n5uY

Fernsehnachrichten

RTV 29.03.2008 - 22:17
АНТИФАШИСТСКИЙ МИТИНГ В ПАМЯТЬ АЛЕКСЕЯ КРЫЛОВА
 http://www.youtube.com/watch?v=cTk85cq0ElU&feature=related

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