Bildungsprotest goes bundesweit

Brausetablette 11.06.2008 17:19 Themen: Bildung Kultur Repression
Das bundesdeutsche Bildungssystem krankt:
Zeit auf zu stehen, sich zu engagieren und es grundlegend zu ändern!
In der bundesdeutschen Bildungspolitik läuft so einiges schief. Das wissen wir nicht erst seit diesem Indy-Artikel, denn es ist offensichtlich, dass die Bildung in diesem sozial vorbestimmt ist und zunehmend kastenartig selektiert. Wer Kapital hat, wird auch seine Kinder entsprechend mit Bildung versorgen können, wer es eben nicht hat, wird auch seinen Kindern eine Zukunft am Fließband oder auf der Straße in der Regel nicht verhindern können. Bereits seit einigen Jahren gibt es daher massive Bildungsproteste von Schüler_innen- und Student_Innen-Initiativen und Gruppen, die von linken Strukturen mitgetragen werden. Für den morgigen Donnerstag, den 12.Juni, verkündete anfang der Woche die Internetpräsenz der [ARAB], später auch die der [ALB], dass es die Spaltung der Bildungs- und Sozialproteste durch den Föderalismus zu durch brechen gilt und riefen zu bundesweiten Schüler_innen- und Student_innenstreiks und -Protesten auf.
So wird es morgen in Tübingen, Ulm, Kassel, Bad Doberan und Oldenburg zur Niederlegung des Lernens kommen und gegen die Bildungszustände demonstriert. In anderen Städten, wie Berlin, Nürnberg, Stuttgart und St.Blasien wird es Solidaritätsaktionen von Initiativen und Gruppen, Schüler_innen-Komitees und Student_Innen-Vertretungen geben und auch dort auf die unakzeptablen Umstände an den bundesdeutschen Bildungsstätten hingewiesen werden.
In Berlin ruft die Schüler_inneninitiative "Bildungsblockaden einreißen" zur Kundgebung um 16Uhr vor dem Roten Rathaus auf, bei der Schüler_innen, Student_Innen und Auszubildene ihrem Unmut Luft machen können, ihre Forderungen vortragen können und wo ein Ultimatum mit den Forderungen, unter anderem der Abschaffung des 3gliedrigen Schulsystems und der Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit an den Berliner Senat übergeben wird. Dieses Ultimatum ist Auftakt einer großen berliner und bundesweiten Bildungskampagne, deren vorläufiger Abschluss im Herbst diesen Jahres sein wird. Die Initiative hatte bereits vor wenigen Wochen, am 22.5.2008, mit einem großen Schüler_innenstreik, wie in den Vorjahren auf die Missstände aumerksam gemacht.

2 Jahre Bildungsblockaden einreißen
 http://de.indymedia.org/2008/04/214569.shtml

Bln: ca. 10000 auf Schul- & Unistreik-Demo
 http://de.indymedia.org/2008/05/217948.shtml

 http://arab.antifa.de/index.php/content/view/178/1/
 http://www.antifa.de/cms/content/view/832/1/
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Ergänzungen

bild für artikel

brausetablette 11.06.2008 - 17:53
liebe mods, könntet ihr bitte nachträglich die anhängende bilddatei an den eigentlichen artikel hängen. ich hatte es vergessen. danke

Interview in der jW

SchülerINN 11.06.2008 - 17:56
»Massive Streikwelle könnte uns vorwärtsbringen«

Am Donnerstag soll ein »bundesweiter Schulstreik« stattfinden. Zumindest in einigen Städten. Ein Gespräch mit Benjy Derin
Interview: Wladek Flakin

Benjy Derin (20) ist Mitglied der »Freien SchülerInnen-Organisation Tübingen«

Sie rufen für den morgigen Donnerstag zu einem »bundesweiten Schulstreik« auf. Wie »bundesweit« ist der denn?

In Tübingen, Ulm, Kassel, Oldenburg und Bad Doberan werden Schüler den Unterricht verlassen und auf die Straße gehen. In Berlin, Nürnberg, Stuttgart, St. Blasien und weiteren Städten werden Solidaritätsaktionen stattfinden. In Berlin etwa werden Aktivisten Unterschriften vor den Schulen sammeln und dann um 16 Uhr eine Kundgebung vor dem Roten Rathaus abhalten.

Was ist der Anlaß für den Streik?

Einen konkreten Anlaß haben wir nicht; wir warten auch nicht ab, bis einer kommt. Die Mängel unseres Bildungssystems erleben wir ja jeden Tag. Es wird flächendeckend gekürzt, deswegen gibt es in den meisten Schulen zu wenig Lehrer und zu große Klassen. Das mehrgliedrige Schulsystem führt darüber hinaus zu einer sozialen Auslese in einem sehr frühen Alter. In jeder Stadt kann jeder Schüler eine Reihe von Problemen aufzählen, die Anlaß zum Streik sein können.

F: Bildungspolitik ist hierzulande Ländersache, Studentenproteste jedenfalls blieben eher auf einzelne Bundesländer beschränkt. Warum legen Sie den Schülerstreik bundesweit an?

Daß die Studentenproteste sich nach Bundesländern sortierten, sollte für uns kein Grund sein, es auch zu tun. Im Gegenteil – wir können nur bundesweit etwas bewegen. Eine massive Streikwelle, gefolgt von einer bundesweiten Bildungskampagne, würde uns vielleicht vorwärtsbringen.

Wie haben sich die Aktivisten der Proteste organisiert?

Einige Beispiele: In Tübingen bildet die »Freie SchülerInnen-Organisation« die Basis. In den letzten Monaten haben regelmäßig Koordinierungstreffen stattgefunden, bei denen wir uns vernetzt haben. In Kassel gab es eine große Schülerversammlung mit 500 Teilnehmern, die den Streik beschlossen hat. In Berlin gibt es die Schülerinitiative »Bildungsblockaden einreißen!«, in Nürnberg gibt es das Schülerbündnis, und in weiteren Städten sind ähnliche Organisationen zu finden.

F: Werden Sie von Gewerkschaften, Parteien oder Lehrern unterstützt?

Die Gewerkschaften GEW und ver.di haben uns finanziell geholfen, ebenso die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei – Heike Hänsel. Auch von Eltern haben wir unerwartet viel Unterstützung bekommen, denn gerade sie machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Natürlich reagieren auch viele Lehrer positiv - von der Bildungsmisere sind sie ja mindestens genauso betroffen wie wir.
Hier in Baden-Württemberg hatten wir als Partner vor allem auf die SMVen gesetzt, das sind die »Schülermitverantwortungs«-Gremien. Aber die haben sich eher zurückgehalten – wohl auch aus Angst vor Repressalien.

Wie sollen die bundesweiten Proteste weitergehen?

Wir sind jetzt schon dabei, Vernetzungen für den nächsten bundesweiten Streik zu schaffen. Ins Auge gefaßt haben wir dafür den Beginn des nächsten Schuljahres, das wäre also im Oktober/November. Mit einer Vorbereitungszeit von mindestens vier Monaten und Auftaktstreiks im Mai und Juni stehen die Chancen so gut wie nie, etwas richtig Großes auf die Beine zu stellen. Deswegen wollen wir gleich am Anfang des Schuljahrs, im September, ein bundesweites Treffen organisieren. Die Strukturen der bisherigen Streiks sind noch vorhanden, neue entstehen und die bundesweite Kooperation läuft auf Hochtouren. In den Schulen wird es einen heißen Herbst geben!

bundesweiter-schulstreik.de