Moskau-Sokolniki: Miliz wg. Folter angeklagt

indy.ru 11.07.2008 11:49 Themen: Repression Weltweit
Gegen die Milizionäre, die Anfang April auf der Wache Moskau-Sokolniki sechs junge Leute stundenlang verprügelt haben, wurde jetzt ein Strafverfahren eingeleitet.
Um die Moskauer Miliz-Wache "Sokolniki" entzündet sich ein Skandal: Das Bezirksamt Preobrashensk hat ein Strafverfahren "bezüglich unbekannter Milizmitarbeiter" dieser Wache eingeleitet, die im April dieses Jahres sechs junge Leute, darunter drei Minderjährige, brutal verprügelt hatten. Außer den Geschädigten, die bereit sind, die "unbekannten Milizionäre" zu identifizieren, stützt sich das Verfahren auch auf AugenzeugInnen und medizinische Gutachten über die Spuren der Prügelorgie.
Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft hatte die Sicherheitsverwaltung des Innenministeriums kein Vergehen in den Taten ihrer Kollegen erkennen können. MenschenrechtlerInnen halfen jetzt aber den Geschädigten. Ihnen gelang es nicht nur, den Vorfall zur Anzeige zu bringen, sondern auch, einen Termin beim Chef der Innenverwaltung Wladimir Pronin zu bekommen, der laut "Wremja Nowostej" versprach, die fehlbaren Mitarbeiter zu ermitteln.
Der Sokolniki-Vorfall hatte im April in Moskau zahlreiche Proteste gegen Polizeiübergriffe ausgelöst. Dennoch sind inzwischen aus der Sokolniki-Wache weitere Vorfälle bekannt geworden.

Erster Bericht von dem Vorfall:  http://de.indymedia.org/2008/04/212768.shtml
Bericht von den Protesten:  http://de.indymedia.org/2008/04/213126.shtml (und noch einige weitere, einfach mal nach "Sokolniki" oder "Sokol'niki" suchen)
Quelle:  http://ru.indymedia.org/newswire/display/20709/index.php (sehr viel ausführlicher)
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Ergänzungen

Ungewöhnlich

µ² 11.07.2008 - 18:35
Es ist das erste mal, daß ich sowas lese. Normalerweise hatte ich Russland "lateinamerikanischer" wahrgenommen. Riskiert das Bezirksamt nicht Ärger, wenn sie gegen Polizisten aktiv werden. Sowas wäre ja selbst hierzulande eher die Ausnahme (wobei hier auch nicht solche Verhältnisse herrschen).

eigentlich

Kontakti 12.07.2008 - 08:10
... haste Recht, sowas ist selten. Mir hat ein Russe es so erklärt: Die Gerichte sind dort nicht ganz so eng mit den Bullen verzahnt wie bei uns, bei denen spielt auch sowas wie "bürgerliche Gesellschaft" noch eine Rolle. Und in dieser Gesellschaft hat genau dieser Fall doch ziemliche Kreise gezogen (Berichterstattung in größeren Moskauer Zeitungen, Lokalfernsehen etc.). Also müssen sie zumindest was tun. Dass deswegen der Oberbulle oder welche von den Schlägern wirklich zu was Ernsthaftem verknackt werden, glaub ich zwar auch nicht...