"BfS soll Gorleben-Erkundung klarstellen"

Wolfgang Ehmke 07.08.2008 09:52 Themen: Atom Globalisierung Militarismus Ökologie
"Was heißt eigentlich Erkundung" - Die Bürgerinitiative Umweltschutz
fordert vom Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)
eine Klarstellung

Der Präsident des Bundeamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König,
hatte in die Debatte um Laufzeitverlängerungen und um die Fortsetzung der
Bauarbeiten im "Erkundungsbergwerk Gorleben" eingegriffen. In Interviews
hatte König alle Seiten davor gewarnt, die Eignung oder Nicht-Eignung des
Salzstocks Gorleben-Rambow als Atommüllendlager zu behaupten.
Ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren würde noch Jahre in Anspruch
nehmen und es gebe ein hohes Risiko, dass am Ende Gorleben als
Endlager nicht genehmigungsfähig sein wird, weil wissenschaftlich
anerkannte Grundsätze wie eine alternative Standortsuche und eine
Bürgerbeteiligung an diesem Standort nicht gegeben waren.

In einem Brief an Wolfram König stellt die Bürgerinitiative Umweltschutz
Lüchow-Dannenberg (BI) ihren Standpunkt klar: "Das Gorleben-Moratorium
des Jahres 2000 war Ergebnis eines politischen Kompromisses, zustande
gekommen ist das Moratorium aber nur, weil Geologen an der Eignung
Gorlebens zweifeln." Erinnert wird, dass dem BfS das 300 Seiten
umfassende Gutachten von Prof. Dr. Klaus Duphorn aus dem Jahr 1982
vorliegt, im dem fundiert und akribisch dargelegt wird, welche Risiken der
Salzstock Gorleben als Folge der komplizierten geologischen Struktur und
der Wasserkontakte, Laugennester und eines nicht vorhandenen
Deckgebirges auf mehreren Quadratkilometern für die Endlagerung
hochradioaktiver Abfälle berge. Auftraggeber war die Physikalisch-
Technische Bundesanstalt (PTB), also die Vorläuferbehörde des BfS.

Im Mai 1983 hatte der Amtsleiter Professor Helmut Röthemeyer in Hannover
gegenüber Journalisten eine Zusammenfassung der bis dahin vorliegenden
Untersuchungsergebnisse mit einer "internen Gesamtbewertung" verbunden,
die zu der Empfehlung gelangte, "das Erkundungsrisiko breiter zu streuen."
Erklärtes Ziel der PTB war es, auch andere Salzstöcke zu erkunden. "Für
eine Behörde war das ein unerhört mutiger Schritt, noch konsequenter wäre
gewesen, ganz auf die Einbahnstraße Gorleben zu verzichten", folgert die BI.
Erst zwei Jahre später erfuhr die Presse, dass die Bundesregierung der
PTB per Weisung untersagt hatte, derartige Überlegungen anzustellen (FR
25.7.85 "Maulkorb für kritische Äußerung über Gorleben").

Die BI hakt nun nach: "Wir halten es für dringend geboten, dass dieser
Vorgang jetzt angesichts der anhaltenden Debatte um die Fortsetzung der
Arbeiten unter Tage seitens des BfS öffentlich gemacht wird, um deutlich zu
machen, dass die Zweifel an Gorleben begründet sind, politisch aber vom
Tisch gewischt wurden."

Prof. Klaus Duphorn sei Fachwissenschaftler, kein Politiker. Als Fachmann
agierte er äußerst umsichtig und forderte zunächst weitere Erkundungen in
Gorleben. Später revidierte er seine Auffassungen und warnte eindringlich
vor der Fortsetzung der Bauarbeiten in Gorleben. Unter Erkundung verstand
er ausschließlich weitere Tiefbohrungen, u. a. an den Flanken des
Salzstocks, nicht den Ausbau des Bergwerks, ruft die BI ins Gedächtnis.

In dem Schreiben an Wolfram König heißt es wörtlich: "Sie in Ihrer
Eigenschaft als Präsident des BfS sprechen in den jüngsten
Stellungnahmen auch davon, dass Gorleben nicht zu Ende erkundet wurde.
Wir möchten Sie bitten, klar zu stellen, was Sie unter Erkundung verstehen.
Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie die Fertigstellung des
Endlagerbergwerks mit einer Erkundung gleichsetzen."

Wolfgang Ehmke 0170 510 56 06

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg e.V.
Drawehner Str. 3 29439 Lüchow
www.bi-luechow-dannenberg.de
Büro: Tel: 05841-4684 Fax: -3197
büro@bi-luechow-dannenberg.de
Pressesprecher: Francis Althoff 05843 986789
 presse@bi-luechow-dannenberg.de
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen