Gegen Geschichtsfälschung

mau 27.08.2008 16:49 Themen: Medien Weltweit
Zum junge Welt-Artikel (jW) vom 3./4.Mai " Der Coup der P2-Loge" von Gerd Feldbauer.
Da die LeserInnen aus der BRD sich mit den italienischen Verhältnissen nicht so gut auskennen, ist Feldbauers Artikel, der sich mit der Entführung des Präsidenten der Christdemokratischen Partei (DC) Adlo Moro durch die Roten Brigaden (BR) im März 1978 befasst, gelinde gesagt etwas verwirrend.
Ein bißchen erinnert das alles an das Buch " das RAF-Phantom". Es war für uns leichter, das auseinander zunehmen, da wir die Verhältnisse hier besser kennen. In diesem Buch wird unterstellt, die RAF gebe es seit 1984 nicht mehr und ihre Existenz bis 1998 sei nur eine Geisterarmee bzw. eine Geheimdienstgruppe. Eva Haule, ehemalige Gefangene aus der RAF, hat das im im Gefangnenen Info 330 vom 23.10.2007 richtig gestellt.
Die Entführungen von Moro wird von Feldbauer als vom "CIA gesteuert" bzw. andere Dienste hätten das Kommando der Roten Brigaden damals unterwandert. Kurzum es wird behauptet, diese Entführung sei nicht allein das Werk dieser Militanten gewesen.
Um Feldbauers Diffamierungen und Desinforamtionen zu entwirren, veröffentlichen wir ein Interview mit Maurizio Ferrai.
Maurizio ist ein mailändischer Proletarier und hat in der Autoreifenfabrik Pirelli gearbeitet. Diese war damals eine sehr kämpferische und grosse Fabrik, die eine organisierte Arbeiterschaft hatte. Er war Mitglied der BR der ersten Stunde und ist schon 1974 in den Knast gekommen. Er war 30 Jahre lang politischer Gefangener und hat in dieser ganzen Zeit die Zusammenarbeit mit den Behöden verweigert. Er beteiligte sich an den Kämpfen der politischer Gefangener der BR, die weitere Verurteilungen zu Folge hatte.
Kaum draussen wurde er sofort wieder aktiv und engagierte sich in erster Linie im Kampf um die Haftbedingungen politischer Gefangene, beteiligt sich aber auch an den verschiedenen sozialen und politischen Klassenkämpfen draussen.

Er lebt in Mailand im besetzten Zentrum Pannetteria Occupata.



1. Warum und mit welchen Forderungen entführten die Roten Brigaden vor 30 Jahren Moro?
In der “Frühjahrskampagne”, wie die Roten Brigaden (BR) die gesamte Operation nannten, die vor 30 Jahren zur Entführung, zum Prozess und schließlich zur Exekution des Präsidenten der Christdemokratischen Partei (DC) führte, stellten die BR keine Forderungen, sondern setzten sich ein Ziel. Das bestand darin zu beweisen, dass die revolutionäre Bewegung in Italien schon reif genug war, um konkret die Auseinandersetzung mit der feindlichen Klasse, der Bourgeoisie, den Knoten zur Eroberung der Macht, anzupacken. Die Parole, die dieses Ziel zusammenfasste, hieß “Den Angriff auf das Herz des Staates führen”, d.h. die Initiative der gesamten Parteiorganisation (die BR ausgehend von ihren Strukturen, den Brigaden, in den realen Lebens- und Arbeitssituationen des Proletariats in den Fabriken, Schulen, Stadtteilen, Gefängnissen…) gegen das herrschende Projekt der Bourgeoisie in einer bestimmten Phase zu führen. Im Frühjahr 1978 wie übrigens schon seit der Nachkriegszeit - genauer gesagt seit 1948 - wurde dieses Projekt von der DC durchgeführt, so dass man sie als Staatspartei in der Art der SED bezeichnen konnte. Insbesondere war es in dieser Phase das Hauptziel der Bourgeoisie, zu versuchen den Aufstieg der revolutionären Bewegung mit politischen Mitteln aufzuhalten, da die militärischen Mittel (die Massaker an der Piazza Fontana in Mailand vom 12. Dezember 1969 mit 16 Toten, dem der Piazza della Loggia in Brescia vom 28. Mai 1974 mit 8 Toten während einer Gewerkschaftskundgebung, und dem im Italicus-Express vom 4. August 1974 mit 12 Toten; außerdem die Genossinnen und Genossen, die direkt von Polizei und Carabinieri bei Demonstrationen umgebracht wurden) nur die gegenteilige Wirkung gehabt hatten - die Entstehung von Organisationen der kommunistischen und anarchistischen Stadtguerilla waren nur der evidenteste Ausdruck. Das politische Projekt, das durchgesetzt werden sollte, bestand im Versuch, die bürgerliche Legalität und die Repräsentativität des Staates im Bewusstsein und in der Praxis der Massen zu stärken, indem man die Regierungsebene für die Kommunistische Partei Italiens (PCI) und damit für die größte Gewerkschaft, die CGIL, öffnete. Eine historische Wende, die in klarem Gegensatz zu den vorherigen Jahrzehnten stand und erleichtert wurde durch den Weg, den die Partei nach dem Fall der Regierung der Unidad Popular in Chile im September 1973 einschlug. Daraus zog diese Partei nämlich den strategischen Schluss, den sie den “Historischen Kompromiss” nannte, d.h. die völlige Aufgabe jeder sozialistischen Hypothese, jeglicher vom Kapital unabhängigen proletarischen Initiative.
In der DC war es der Gruppe um Moro gelungen, sich mit ihrem Projekt durchzusetzen, die PCI in den Fabriken, den Schulen, der Stadtvierteln zu absorbieren und zu instrumentalisieren, um die bewusstesten Teile der revolutionären Bewegung zu isolieren und zu kriminalisieren, um dann jeglicher revolutionären Hypothese den Todesstoß zu versetzen. Indem die “Frühjahrskampagne” das Luftschloss der “nationalen Einheit” in die Luft fliegen ließ, zeigte sie der revolutionären Bewegung die dringende Notwendigkeit auf, über die eigene Zukunft und ihre konkrete Praxis zu reflektieren: den Sturz der gegenwärtigen bürgerlichen Gesellschaft zugunsten der Schaffung der kommunistischen Gesellschaft. Von heute aus gesehen kann man sagen, dass wir uns da übernommen hatten. Wenn die Generationen von heute und morgen vor einer revolutionären Phase stehen, die so zugespitzt ist wie damals 1978 in Italien, oder noch mehr, werden sie auf diese Erfahrung zurückgreifen müssen, um daraus ihre Lehren zu ziehen. Damals wurde die Entscheidung den Angriff auszulösen, für richtig gehalten, so wie die Genossen, die 1919-1920 die PCI gegründet hatten, es für richtig hielten, die Fabriken zu besetzen - worauf die Jahrzehnte folgten, die wir kennen [der Mussolini-Faschismus], oder wie man es im Deutschland von 1918-1919 für richtig hielt, den Aufstand von Berlin auszulösen usw.
2. Sind noch Mitglieder des Kommandos, die Moro entführten, im Knast?
Die Frage müsste eigentlich so gestellt werden: Wie viele der Personen, die im Zusammenhang mit der Entführung, dem Prozess und der Tötung Moros angeklagt und verurteilt wurden, sind heute noch im Knast?
Von den 32 vom Schwurgericht in Rom nach dem Prozess „Moro 1“ im Januar 1983 zu lebenslänglich verurteilten Personen hat, abgesehen von den wenigen, die zu „Reumütigen“, also Verrätern wurden, die große Mehrheit noch mit dem Knast zu tun. (In den späteren Jahren gab es noch weitere Prozesse „Moro 2“ bzw. „Moro 3“, an denen ein weiteres Dutzend Personen beteiligt war).
Und zwar in dem Sinne, dass nach den gesetzlichen 16-21 Jahren Knast auf Antrag und nach dessen Genehmigung auch ein Lebenslänglicher in „Halbfreiheit“ entlassen werden kann, d.h. er kann tagsüber hinausgehen, um zu arbeiten, doch abends, jeden Abend, muss er wieder in den Knast zurückgehen. Der größte Teil dieser Genossinnen und Genossen führt seit zehn Jahren oder auch mehr ein solches Leben.
3. Wir mussten in der jW nach dem" RAF-Phantom" wieder mal einen Aufguss der Geschichte von der Geheimdienst gesteuerten Guerilla lesen. Wodurch entstand das Gerücht, die Entführung von Aldo Moro sei vom Geheimdienst gesteuert worden?
Im Versuch, mit der breit verwurzelten revolutionären Bewegung fertig zu werden, die ihre Ursprünge in den Julitagen von 1960 (Aufstandsbewegungen in Genua, Reggio Emilia und Palermo gegen eine DC-Koalitionsregierung mit den Faschisten) und natürlich im Jahr 1968, in den Arbeiterkämpfen von 1969-1973 hat, setzte der Staat vor allem Massaker und Spione ein, doch dies erwies sich immer als nicht ausreichend und kontraproduktiv. Daher stammte die Idee der „nationalen Einheit“, des Einsatzes des politisch-ideologischen und physischen Apparates der PCI und der CGIL (kommunistischer Gewerkschaftsbund), die zur konterrevolutionären Intelligenz umgedreht wurden, in den Fabriken, Stadtteilen, Schulen, des gesellschaftlichen Lebens insgesamt. Diese Apparate machten sich Mitte der siebziger Jahre aus den hier nur kurz angedeuteten historischen Gründen bereit, „die Furt zu durchqueren“, wie der heutige Staatspräsident Giorgio Napolitano, der damals in der Führung der PCI saß, eines seiner Bücher nannte. Sie machten sich bereit, ins bürgerliche Lager überzuwechseln und versuchten, diesen Schritt zu gehen, ohne einen Funken der Achtung zu verlieren, den sie noch bei den arbeitenden Massen hatten - wäre dies nämlich geschehen, so hätten sie die für die Bourgeoisie und für sie selbst so notwendige Funktion nicht mehr ausüben können. Einzelne Arbeiter vor den Fabriktoren aufzuhetzen, die Betriebsversammlungen gegen die „Extremisten“ zu steuern, indem man sie in den schlimmsten Farben malt, war für diese nun bald verstaatlichten Funktionäre zur Verpflichtung geworden, in enger Abstimmung mit Carabinieri, Polizei, Staatsanwaltschaft, Richtern, kurz mit den Geheimdiensten, mit dem Staat. Sie kamen so unweigerlich in die Situation, das eigene Wahlvolk aufzufordern, diese „Autoritäten“ zu wählen und ihnen die Sitze im Parlament und im Senat zu verschaffen, und nicht den Arbeiterinnen und Arbeitern.
4. Gab es jemals Ansatzpunkte, die diese These belegt hätten bzw. was sagt ihr zu den „Beweisen“ in Feldbauers Artikel. Zum Beispiel zum Ablauf der Aktion selbst. So wie auch im deutschen RAF-Phantom wurden bestimmte Operationen der jeweiligen Stadtguerilla nicht "zugetraut". (Benutzung von angeblicher Gladio-Spezialmunition, Operation in eigentlich überwachtem Gelände).
Feldbauer muss offenbar Bücher oder damalige Zeitungsberichte gelesen haben, in denen die „Operation Moro“ nicht den „Rotbrigadisten“ zugeschrieben wurde, sondern einem Kommando der RAF, das von den „unfähigen“ Roten Brigaden zu Hilfe gerufen worden sein soll, da Italien solche Leute ja nicht hervorbringt. Auf diese Weise wurde allerdings der Internationalismus überhöht… und so beißt sich die Katze in den Schwanz. Natürlich hat das alles nichts mit der Realität zu tun, angefangen bei den Kontakten zwischen RAF und BR, die damals noch gar nicht bestanden. Das sind alles Spekulationen, um einen Feind auszutreiben, der aber in Wirklichkeit in den Kämpfen in Italien entsteht und sich reproduziert, der gelernt hat Operationen, Kampagnen der Stadtguerilla sich auszudenken, zu planen und durchzuführen. Jedes Mal, wenn ein Arbeiter verhaftet wurde, ein Arbeiter, der Mitglied der BR oder anderer bewaffneter Gruppen war, ging sofort die Diffamierung, die Verleumdung los, und zwar organisiert von der CGIL und der PCI. Die Biografien wurden verdreht, bis sie unglaubwürdig, lächerlich wurden, aber sofort von denen zurückgewiesen, für die sie bestimmt waren, nämlich von den Menschen, die Schulter an Schulter mit den Verhafteten gearbeitet hatten, die sie unterstützten, so gut sie konnten, auch in den Hochsicherheitsgefängnissen.
5. Wie seht ihr die politische Begründung für seine Behauptung, dass die P2-Loge und Teile des Geheimdiensts ein reaktionäres, oder gar faschistisch orientiertes Interesse an der Liquidierung Aldo Moros gehabt hätten.
Das ist eine oberflächliche Behauptung, die er genau so aus diesen Büchern übernommen hat, so wie wenn ich jetzt ein Buch über das „RAF-Phantom“ schreiben würde, dann würde ich ja eine offensichtlich lächerliche Fälschung begehen. Die italienischen Geheimdienste haben immer die Faschisten für die Zwecke des Staates benutzt, die von der Partei bestimmt wurden, die über 40 Jahre lang die entscheidende Macht über die Gewaltapparate des Staates in den Händen hielt. Es würde genügen, die Biographie von jemandem wie Guido Giannettini zu betrachten, eines Agenten des SID [militärischer Geheimdienst], der in Verbindung zu bekannten Personen der italienischen Faschisten wie Rauti, Freda und Ventura stand, um eine historisch zuverlässige Dokumentation zu liefern. Feldbauer hat also geschrieben und dabei bewusst oder unbewusst angenommen, dass nach 30 Jahren in Deutschland vielleicht höchstens noch einige Genossinnen und Genossen, ein paar Professoren, ein paar Spezialisten oder die Alten aus der Spiegel-Reaktion noch etwas über das Massaker an der Piazza Fontana und die „Operation Moro“ wissen.
6. Der aus der DDR stammende Feldbauer ist ein Vertreter des Revisionismus. Er fand den "historischen Kompromiss" zwischen Christdemokraten und PCI zum Beispiel richtig. Ist das eine Erklärung für seine Diffamierungen?
Ich weiß nicht. Man müsste wissen, aus welcher Generation er stammt, auch um zu begreifen, warum er so argumentiert. Zuerst muss gesagt werden, dass weder der „historische Kompromiss“ noch die Partei, die ihn vorantrieb, das Projekt, der Feind waren, gegen den die BR gekämpft haben. Als solche waren jene nur Teil eines umfassenderen Projekts zur Zerschlagung der revolutionären Stärke des Proletariats in Italien, ein Projekt, zu dessen intelligentesten Architekten Moro gehörte. Natürlich ist mit dem Angriff das ganze Luftschloss ins Wanken geraten. Der „historische Kompromiss“ hinkte auf allen Seiten, die Bourgeoisie nutzte ihn so gut es ging aus und warf ihn dann auf den Müll. Das geschah aber erst einige Jahre später, in der Direktion der FIAT Mirafiori in Turin im September/Oktober 1980. In dieser heiklen Phase des Klassenkampfs setzte der Staat wieder einmal ein Massaker ein: Am 4. August ließ er im Wartesaal des Bahnhofs von Bologna eine Bombe explodieren, es gab 85 Tote. In den Monaten davor hatte der Staat den BR harte Schläge versetzt, so dass er wusste, dass sie nicht mehr in der Lage waren, mit so großer Intelligenz wie sonst in den Kampf der Arbeiterklasse bei FIAT einzugreifen. Die PCI hütete sich, außer allgemeinen Erklärungen und unmittelbarer Unterstützung, den Kampf auszuweiten, und die CGIL unterschrieb gegen die Arbeiter, aber zusammen mit anderen Gewerkschaftsverbänden das FIAT-Dokument, in dem die ersten Massenentlassungen bei FIAT seit 1950 vorbereitet wurden, d.h. die Kurzarbeit zu Null Stunden für 24.000 Arbeiter. Vor den Fabriktoren der FIAT starb vor den Augen der Arbeiter, die fassungslos und voller Wut und Ohnmacht die „Unità“ [Tageszeitung der PCI] verbrannten, auch der „historische Kompromiss“.
Nach dem , was Feldbauer schreibt, muss er die Bücher von Sergio Flamini und von Gianni Cipriani gelesen haben, beides Journalisten und Intellektuelle, die aus der PCI kommen, aber nicht mehr die soziale Basis, die politische Motivation und den Parteiapparat auf ihrer Seite haben. Sie schreiben hauptsächlich für Cliquen von Polizisten, Richtern usw., mit der Unterstützung einiger Verräter, Buch um Buch über die jüngste Entdeckung einer angeblichen „engen Verbindung“ zwischen BR und Gladio, wobei doch von all dem, von dem sie gerne möchten, dass es existiert haben soll, doch überhaupt nichts existiert hat. Diese Bücher können heute bei den jungen Generationen vielleicht Verwirrung stiften, aber auch nicht mehr sehr viel. Letztendlich spricht die Praxis der BR, die Biografien der Genossinnen und Genossen, die ihre Intelligenz und ihr Leben in dieser kollektiven Praxis eingesetzt haben, wesentlich mehr. Diese Schreiberlinge im Dienst des Staates stimmen sich heute sogar mit den Regierungen ab, wie man Einwanderer jagt oder in den Krieg zieht.
7. Gibt es Italien auch so eine ähnliche Geschichtsschreibung wie die von Feldbauer?
Ja, teilweise wird sie von Feldbauer zitiert, aber vor allem, wie ich glaube, hat er sie in unkritischer Weise gelesen und gibt sie verkürzt und übereilt wieder, ohne jemals die Genossinnen und Genossen in Fleisch und Blut zu erwähnen, die außer bei ihrer Verhaftung und an den lange Tagen der Folter nie einen Geheimdienstagenten zu Gesicht bekommen haben. Ihn interessiert das alles nicht. Auch er, wie seinesgleichen in Italien, geht von einer These aus, für deren Darlegung man die wirkliche Geschichte schon radikal manipulieren muss. Zusammen mit anderen wollen sie die jungen Generationen davon abhalten, eine revolutionäre Praxis zu beginnen, müssen dafür aber die Geschichte derer verdrehen, die diese revolutionäre Praxis versucht haben, und sie so umschreiben, dass sie Hinz das zuschreiben, was Kunz gemacht hat und z.B. den BR das Massaker vom 12. Dezember 1969 in die Schuhe schieben. So tragen sie dazu bei, dass das Proletariat geschwächt und auch weiterhin ausgebeutet und unterdrückt wird, indem sie seine Geschichte negieren, seine Orientierungskraft und seine Fähigkeit zu agieren, zu denken und den Horizont der Gesellschaft zu verändern. In diesem Sinne tragen sie eine große Verantwortung gegenüber dem Proletariat der ganzen Welt.
Mailand, 2. August 2008
Dieser Artikel ist in der neuen Ausgabe des Gefangenen Infos 340 erschienen.
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Ergänzungen

Der stern mit fünf Zacken

Weltsozialismus 27.08.2008 - 22:59
Die Organisations- und Handlungsform der Roten Brigaden war geradezu eine Einladung an sämtliche legalen, halb- und illegalen Staatsschutzorgane, sich einzumischen. Besser gesagt: verdeckt mit zu mischen. Die Infiltrierung der Roten Brigaden (und ähnlicher Organisationen) durch diese Organe ist inzwischen evident.

Die terroristische Form ist die Form der bürgerlichen und nationalen Revolution. Sie hatte ihren Nutzen. Aber sie ist für den Sozialismus/Kommunismus politisch und ethisch konterproduktiv.

Die der staatlichen Repression unterworfenen Mitglieder der Roten Brigaden sind zu bedauern. Eine menschliche Solidarität mit ihnen ist angebracht. Politisch müsste aber die größtmögliche Distanz zu ihnen gewahrt werden.

Sie waren Kämpfer, sie sind Gefangene und teilweise Zerschlagene. Sie waren aber keineswegs - was sie subjektiv empfinden mögen, muss hier nicht zur Debatte stehen, das ist ihre Sache - Akteure und Opfer des Sozialen Krieges (des Klassenkampfes) zwischen dem globalen Kapital und der globalen Klasse der Lohnarbeiter.

Sie waren im Gegenteil - und diejenigen, die hier die alten Mystifikationen und Lügen wiederholen sind es weiterhin - Akteure im Kampf der verschiedenen Fraktionen des Kapitals unter sich. Eine Gang des Kapitals bekämpft eine andere. Mehr ist das nicht. Mit der Emanzipation der Menschen vom Kapital und Staat hatte und hat das nichts zu tun.

Denn man sollte die ihre Aktionen orchestrierenden Phrasen (Proletariat, Revolution, die rote Farbe, der Stern mit fünf Zacken, Kommunismus usw.) genauso wenig ernst nehmen, wie ähnliche Verlautbarungen aus der ehemaligen Sowjetunion oder von Seiten Nord-Koreas.

Dass die Ex-Brigadisten und ihr Anhang das nicht einsehen wollen, mag verständlich sein, denn das Haften an ihrem falschen Selbstbild lässt ihnen wohl keine andere Chance.

Ihre Lügen weiterhin zu akzeptieren, das sollte man nicht (mehr) tun.

Weltsozialismus

la fuga in avanti

milanes 27.08.2008 - 23:57
hoffe, dass dieses buch bald auch auf deutsch erscheint, manolo morlacchi ist sohn von pierino, einer der ersten gruender der brigate rosse in mailand....hier der brief vom spezialgefaengniss von cuneo....
basta mit diesen verschwoerungstheorien, respekt fuer die toten, die im kampf gegen den staat gefallen sind, wer die infami waren und sind, ist allen bekannt, alles andere ist bullshit....


Lettera di Pierino a Manolo
Pierino Morlacchi

È uscito in questi giorni il libro di Manolo Morlacchi La fuga in avanti, ricostruzione e testimonanza di una vicenda familiare (quella del padre Pierino che nel 1970 partecipò con Curcio alla fondazione delle Brigate Rosse, della madre Heidi Peusch originaria della DDR, dei dieci fratelli e di tutta la famiglia Morlacchi) che è però anche storia di un quartiere di Milano, il Giambellino, e straordinaria sintesi del percorso del movimento operaio del Novecento dall'antifascismo, alla resistenza, alle prime spaccature dentro il PCI. Spezzando le mistificazioni storiche e ideologiche, Manolo Morlacchi scrive la storia di un'educazione politica, civile e sentimentale di cui la lettera di Pierino Morlacchi al figlio quindicenne che lo è andato a trovare da solo nel carcere speciale di Cuneo, qui pubblicata, è un esempio commovente.

Manolo Morlacchi, La fuga in avanti, Agenzia X, pp. 216

*

Carcere di Cuneo, gennaio 1985

Ciao mio bel "ragazzo" e un felice anno nuovo. Lo sai che mentre leggevo la tua lettera e quella di Ernesto, mi sono spuntate due lagrimucce?
Erano di gioia e di orgoglio. Gioia, perché ho vista confermata la tua maturità, il tuo passaggio dall'adolescenza alla maggiore età, la quale non è semplice somma di anni ma, come fai tu, è presa di coscienza della realtà sociale e dei problemi che essa pone: questa è maturità! Orgoglio, perché come padre mi esalti, come comunista mi entusiasmi e come amico mi stimoli a darti delle risposte serie a problemi che sono di tutti noi, dei nostri tempi, posti dalle nostre
lotte collettive, non singole.
Faccio subito una precisazione; né la mamma né io, abbiamo mai pensato di farti, anzi: di farvi (perché c'è anche Ernesto), diventare copie di noi stessi, cioè dei "grilli parlanti" obbligati a ripetere e percorrere parole e strade da noi già dette e percorse. Al contrario vi stimoliamo sempre a essere figli del vostro tempo, con i travagli che questo comporta, ma anche con la certezza di dare un contributo importante alla vostra formazione che, ricordati sempre, mio bel "ragazzo", non è una cosa data una volta per sempre, ma si va via via perfezionando accumulando esperienze, saperi e strumenti, i quali ti consentiranno di dare risposte giuste alle problematiche cui vai incontro. Questo è sempre stato il nostro impegno!
Un salto indietro per chiarire meglio, meglio ancora, per capire meglio certi periodi che ormai appartengono al nostro patrimonio di lotte. Concordo con te che non siamo più nel '68, ma non siamo neanche più nel '60, con tutte le lotte che ha portato con sé; il '45, la "liberazione", è lontanissimo. Per non parlare poi della Grande Rivoluzione d'Ottobre. Come vedi, collocati temporalmente, questi "episodi", meglio sarebbe dire: questi cicli di lotte rivoluzionarie, sono distanti fra di loro, addirittura abbracciano l'intero mondo. Ma c'è un filo comune che li lega fra loro... la presa di coscienza della realtà di classe e la volontà ferrea di cambiare in senso progressista l'umanità.
Ecco uno dei punti da te toccati: come e con chi cambiare le cose! Sia chiara una cosa: nulla cambia, nulla muta di per sé; il tutto cambia sotto la spinta delle forze che hanno volontà e forza per farlo. Ma dico di più. Neanche la morte riesce a cambiarci in quanto essendo noi composti di materia ci ritrasformeremo in altra materia e così via finché esisterà una, anche minima, forma di vita.
Quindi è chiaro che dobbiamo essere noi, soggetti del nostro tempo, a dare tutto il nostro sapere, tutta la nostra forza, tutta la nostra conoscenza per far sì che le cose cambino in meglio.
Il problema, come tu giustamente fai risaltare, è quello di con chi fare le lotte, con chi allearsi, come già accennato sopra.
Ritorno un attimo ai primordi della lotta di classe. Tutti i milioni di proletari, di rivoluzionari che ci hanno preceduto si erano posti gli stessi dubbi e gli stessi problemi che ti poni tu, con la "sola" differenza che questi padri e fratelli non avevano dietro di sé un patrimonio di lotte, di vittorie e, sì, bisogna dirlo, di sconfitte che li potessero aiutare in qualche modo. Essi erano armati di pochi strumenti adatti a capire il momento che vivevano, ma animati da una grande volontà di riscattarsi dalla tirannia attraverso l'alleanza con altri ceti subalterni. Alleanza! Qui sta il problema! Lottare e costruire con tutti quelli che hanno a cuore un tipo di società migliore; non importa se al momento non si è d'accordo su tutto, l'importante è trovare punti d'incontro su cui costruire, poi, con le lotte e con la dialettica, riuscirai a superare tante contraddizioni e incomprensioni.
La "svolta decisiva": mio giovane, bello e adulto figlio, nel prosieguo della tua esistenza troverai, lì all'angolo della via immaginaria, cento, mille, diecimila "svolte decisive", ma starà sempre a te capire se è quella giusta, se vale la pena percorrerla. Io posso solo consigliarti in base alla mia esperienza e questa mi dice che devi continuare, con spirito di sacrificio, quello che hai iniziato. Devi affrontare la realtà, brutta che sia, con la convinzione di migliorare le cose e la certezza che la spunterai, assieme a tanti altri. In quanto all'impedimento hai ragione, però io sarei propenso a non drammatizzare troppo questo episodio; ce ne saranno ancora e forse più gravi. L'importante è che tu li collochi nella loro giusta dimensione. Non credere che andando a lavorare in fabbrica, in ufficio le cose siano migliori... troverai anche lì quelli che ti impediranno l'entrata se sei in ritardo; ma non solo questo, lì ti impediranno di esprimerti, ti impediranno di fare attività se non all'interno di organismi a loro fedeli. Lì non avrai più la possibilità di accumulare scienza e cultura, perché sarai sfruttato tutta la giornata per cinque giorni alla settimana. Poi, quando rientrerai alla sera, non avrai la forza di fare altri lavori. Sì, perché studiare è un lavoro molto più impegnativo e faticoso di tanti altri.
Ecco, mio buon Manolo, il mio pensiero, il mio parere, il mio consiglio. Ora sta a te trarne le giuste conclusioni. La mamma ti darà tutti i consigli e gli aiuti necessari a superare questo periodo. È molto brava la mamma e ti vuole un gran bene, devi quindi avere fiducia in lei.
Spero di essere stato abbastanza chiaro, ma se non hai capito qualcosa, scrivimi subito tutti i dubbi che ti risponderò immediatamente.
Ciao amore, aiuta sempre la mamma e l'Ernesto, da parte mia tutto il bene e l'amore che sono capace per te, per tutti voi. Saluta tutti i cugini e amici.
Tuo papà

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